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I Ein scheiß Tag

„Bin wieder da.“

Stille. Keine Antwort. War ja mal wieder klar, dass meine hochgeschätzten Eltern es nicht für nötig halten mir zu antworten. Okay ehrlich gesagt will ich das auch gar nicht. Ich bin Moment schon genug mit meinen eigenen Gedanken beschäftigt, da muss ich mich ja nicht auch noch mit jemanden unterhalten. Ich trotte erstmal in die Küche zum Kühlschrank, ich hatte leider schon den ganzen Tag nichts gegessen und jetzt einen Heißhunger auf irgendwas. Leider ist im Kühlschrank wie immer nichts wirklich Leckeres zu finden. Also ich meine lecker und ungesund. Im untersten Fach war mal ein Schokopudding. Die Betonung liegt auf „war“. Toll dann muss ich wohl oder übel doch mit den Chips vorlieb nehmen. Obwohl die ja auch nicht wirklich schlimm sind, aber die machen einfach nicht satt.  

Aus dem Zimmer meiner Schwester tönt mir laut 50 Cent entgegen. Wieso wurde ich mit so einer Schwester gestraft? Was hatte ich getan, dass Gott mir das antut? Das ist einfach nur unfair. Ich kann doch nix dafür. Na ja eigentlich ja schon. Ich bin nicht wirklich ein großes Vorbild für meine kleine Schwester, die ich auch liebevoll Chekabunny nenne. Im Prinzip besteht ja Chekabunny´s Hauptbestreben daraus, dass sie nur ja nicht so kaputt und ungeliebt wie ich wird. Ich verdenk es ihr ja nicht mal wirklich. Aber musste sie deshalb gleich Hopper werden?! Na egal, mich über sie aufzuregen bringt mir ja nichts. Sonst ist es ja ein ganz schöner Zeitvertreib, aber im Moment hab ich andere Dinge im Kopf.

In meinem Zimmer ist es mal wieder eiskalt. Das sagt mir, dass meine Mutter mal wieder hier drin war. Resigniert mache ich das Fenster zu und drehe die Heizung auf 3. Sie wird es nie verstehen, dass ich es hasse wenn jemand in mein Zimmer geht.

Ich schaue mich um und was ich sehe gefällt mir irgendwie. Es ist zwar Chaos und so wirklich viel erkennt man nicht, da es draußen schon dunkel wird und ich zu faul war das Licht anzumachen, aber ich fühle mich in diesem Chaos zu Hause. Mehr als sonst irgendwo. Eigentlich eh nur hier. Ein anderes zu Hause gibt es für mich nicht.

Mein Bett sieht noch genauso aus wie ich es heute Morgen verlassen hatte. Schon da wusste ich, dass es ein scheiß Tag wird. Ich hätte echt im Bett bleiben sollen. Es fühlte sich kalt an als ich mich hinein legte und mir die Decke übern Kopf zog. Alles wurde schwarz um mich und ich genoss die Dunkelheit. Langsam wurde es wärmer.

Heute war einer der schlimmsten Tage seit langem gewesen. Etwa seit einem Jahr.

Heute hatte ich ihn wieder gesehen.

Heute hatte er mich wieder erkannt.

Heute hatte er so getan als ob nichts wäre.

Heute kam Josh in meine Klasse.

Josh war vor etwa einem Jahr mein bester Kumpel gewesen. Ihr seht er ist es jetzt nicht mehr, also muss etwas passiert sein. Nur will ich nicht wirklich daran denken. Ich will jetzt in meinem mittlerweile schön warmen Bett liegen und diesen Tag einfach nur noch vergessen und den Rest davon verschlafen. Aber es bringt ja doch nichts. Josh schwirrt wie eine zu groß geratene laute Mücke in meinem Kopf herum und zwingt mich an ihn zu denken.

Wie gesagt er war mein bester Freund…bis wir beide uns einfach so aus Spaß, weil wir halt gut drauf waren, besoffen haben. Ich glaube seine Eltern waren auf einer Gartenshow, auf jeden Fall waren wir beide allein bei ihm. Wir kannten uns damals schon etwa zwei Monate und wir feierten an dem Tag, das er es endlich über sich gebracht hatte mit seiner Freundin Schluss zu machen, die nebenbei bemerkt wirklich hässlich war, aber man zieht ja nicht über andere Leute ne? Na ja wir waren echt schon beide ziemlich dicht und dann passierte es. Ich weiß nicht mehr wirklich wieso und wie und keine Ahnung, ich hatte ein ziemliches Blackout an diesem Abend…ich habe ihn geküsst. Ich habe einen Jungen geküsst! Und noch dazu meinen damaligen besten Freund! Er hat mich nur weggestoßen und mich „schwuler Arsch“ genannt. Dann hat er mich einfach gepackt und raus auf die Straße geschmissen, wo ich dann auch noch fast von seinen Eltern angefahren wurde. Ich glaube sie waren ziemlich entsetzt. Nachdem ich mich aufgerappelt hatte bin ich dann nur noch schnell abgehauen. In mein Zimmer. Zurück in meine Einsamkeit. Ich weiß bis heute nicht wieso ich das getan habe. Ich bin ja nicht mal schwul. Obwohl mich Mädchen ja auch nicht wirklich interessieren. Wieso sollt ich mich auch für diese kreischenden Dinger interessieren? War doch nur Zeitverschwendung.

Solche dämlichen Sachen passieren immer mir. Immer muss ich irgendwas anstellen, damit die Menschen, die mir etwas bedeuten, mich ansehen als wäre ich etwas Widerliches. Ich denke ich habe es verdient wenn sie mich verletzten. Immerhin bin ich es doch, der immer die Scheiße baut, nicht sie.

Die Wärme beginnt mich einzuschläfern, was mir nur Recht ist. Ich will endlich diesen schrecklichen scheiß Tag vergessen.

Vor meinen Augen taucht Josh auf. Ich erlebe noch einmal wie er in die Klasse reinkommt und der Lehrer ihm einen Platz am Fenster und zwei Reihen vor mir zu weißt. Sehe wie er mich ihm Vorbeigehen erkennt und mir zu lächelt. Er sah anders aus. Seine blonden Haare waren schulterlang, wie die eines Mädchens und er war noch größer als früher. Er musste jetzt schon um die 1, 90 m groß sein. Dagegen war ich mit meinen 1, 71 m ein nichts.

Hoffentlich stirbt er, damit er mich nie wieder daran erinnert was ich getan habe und was für ein mieses Stück Scheiße ich doch bin.

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