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II Regen

Aus dem Spiegel guckt mich ein monster- ähnliches Wesen an. Nach längerem Hinsehen erkenne ich, dass ich doch es bin. Aber auch nur wenn man genau hinsieht. Ich weiß ich bin keine Schönheit, aber schöner als jetzt bin ich normalerweise schon. Hoff ich doch. Mein Spiegelbild hat nur noch wenig Ähnlichkeit mit mir, es hat verstrubbelte schwarz- gefärbte Haare, ein bleiches Gesicht, das noch Schlaffalten hat und tief liegende Augen, die umrammt werden von dunklen Augenringen. Ich schöpfe mir eiskaltes Wasser ins Gesicht um meine noch verbliebene Müdigkeit abzuschütteln. Ohne Erfolg. Ich habe das Gefühl ich könnte gleich im Stehen einpennen. Würde ich auch, wenn nicht jemand penetrant an die Badtür klopfen würde. Dabei kann niemand schlafen, nicht einmal ich und das will schon was heißen. Immerhin schlafe ich immer, bei jeder Gelegenheit. Das bringt mir leider auch des Öfteren Schwierigkeiten in der Schule ein. Aber was soll´ s? Erwarten die allen Ernstes dass ich bei ihrem langweiligen Unterricht aufpasse?

Mein Gesicht schaut mich jetzt aus trüben Augen an. Die Bürste lass ich heute am besten gleich, bin eh schon spät dran und bringen tut´ s doch eh nichts. Meine Haare machen was sie wollen, da kann ich mit Haarspray und Gel anrücken so viel ich will, da geht nix. Gefällt mir auch besser so.

Ich glaube das wird ein scheiß Tag.

Entnervt mache ich mit einem Ruck die Tür auf und prompt schlägt mir doch echt meine eigene Schwester die Faust ins Gesicht. Scheiße tut das weh! Sie dreht sich nur um und blickt mich an.

„Ach auch schon fertig?“

Ich halte mir die Nase und schaue nach ob sie blutet. Zum Glück nicht, aber es tut höllisch weh. Was muss mir diese miese Kröte auch einfach auf die Nase schlagen?! Ich gehe an ihr vorbei und schicke ihr noch einen Blick, der könnte er töten, sie sofort hätte das Zeitliche segnen lassen. Leider klappt das ja aber nicht so. Mit einem lauten Rums knallt Chekabunny die Tür zu.

Mein Zimmer ist immer noch dunkel, aber ich finde meine Sachen auch so. Mit der Zeit gewöhnt man sich an die Dunkelheit. Ich suche zwischen dem Chaos auf meinem Zimmerboden meine schwarze Lieblingsjacke. Ich glaube die brauch ich heute echt dringend. Der Tag hat schon scheiße angefangen und in der Jacke fühl ich mich einfach besser. Ich weiß auch nicht wieso. Liegt vielleicht daran das sie so schön weich ist und man sich prima in sie reinkuscheln kann. Also nicht das das jemand falsch versteht, ich bin nicht so ein verweichlichter schwuler Typ, der immer einen Teddy zum Einschlafen braucht, aber mit so einer „Kuscheljacke“ lässt sich die Einsamkeit leichter aushalten. Klar ich hab Freunde, aber eigentlich ist es doch eher so, dass sie mich dulden und aushalten, sollte ich sie aber jemals brauchen würden sie mich im Stich lassen. Das weiß ich genau und ich verwette Chekabunny, das es stimmt. Ehrlich gesagt ist es mir aber egal… mir wurde schon so oft von Menschen wehgetan, dass es mich mittlerweile nicht mehr wirklich verletzt. Zumindest zeige ich das nicht. Wieso sollt ich auch? Es interessiert doch eh keinen, außer diese komischen Menschen, die sich Eltern…

„Damian! Du musst los, sonst kommst du zu spät!“

Wenn man vom Teufel spricht.

Meine Tasche steht immer noch bei der Tür, ich packe noch ein paar Bücher ein und ab geht´ s. Ich schließe die Tür von meinem Zimmer und sperre die Dunkelheit darin ein. In ein paar Stunden bin ich wieder da und kann mich wieder in ihr verlieren ohne das mich jemand daran hindert.

Meine Nase tut mittlerweile nicht mehr so sehr weh, allerdings pocht sie noch ein bisschen. Ich wag es lieber nicht sie anzufassen, wer weiß was ich dann spüre. Wahrscheinlich ist sie knall rot und dick. Alles nur wegen dieser … arg…es gibt kein Wort für so eine scheiß Person. Ich sollt aufhören mir wegen ihr so viele Gedanken zu machen. Das ist sie gar nicht wert.

Gelangweilt gehe ich aus dem Haus, wie jeden Tag dasselbe. Unsere Nachbarn versuchen verzweifelt ihren Sohn in das Auto zu kriegen, um ihn in die Schule zu fahren. Der siebenjährige hasst Schule genau wie ich, aber er ist noch zuversichtlich, dass er den Kampf gegen sie gewinnen wird. Ich dagegen habe aufgegeben. Die Schule hat gesiegt und nun schleppe ich mich jeden Tag in dieses weiße Gebäude und lass die Tortur über mich ergehen. Der Nachbarsjunge wird irgendwann genauso aufgeben wie ich…früher oder später wird er das.

In Gedanken versunken laufe ich zur Schule, dabei achte ich wie jeden Morgen nicht auf meine Umgebung. Nicht auf die Häuser, die vielen Schüler, die zur Schule laufen, die viel zu schnellen Autos und die schweren Regentropfen, die beginnen vom Himmel zu fallen.

An einer Ampel muss ich warten, so versunken bin ich ja auch wieder nicht, dass ich wie blind über die Straße geh und mich überfahren lass. Es gibt bei weitem schönere Tode.

Nach der Ampel muss ich noch durch die Fußgängerzone. Der Regen wird langsam immer heftiger, aber das macht mir nichts aus. Ich liebe den Regen … the sky is crying…im Regen sieht niemand wenn ich traurig bin, das mag ich so sehr.

„Hallo Da.“

Erschrocken bleibe ich stehen. Dieser Name. So hat nur er mich genannt. Ich schaue langsam hoch und blicke in das Gesicht der Person, die mich mit diesem verhassten Namen angesprochen hat. Josh. Er lächelt ein bisschen und hebt zum Gruß die Hand. Wir stehen etwa fünf Schritte voneinander entfernt und doch weiß jeder von uns beiden, dass die Distanz zwischen uns unüberbrückbar ist.

Ich antworte nicht, sondern schaue ihn nur stumm an. Langsam scheint ihm mein Schweigen nicht so ganz zu behangen. Geschieht im nur Recht. Was will der Kerl von mir? Das Messer noch tiefer in meine Brust rammen?! Ich gehe an ihm vorbei und schaue ihn dabei nicht mal mehr an, soll der Kerl doch ruhig merken, dass ich ihn verabscheue. Abgrundtief. Erst nachdem ich an ihm vorbei bin dreht er sich um und schaut mir hinterher. Ich sehe das in einem Schaufenster, aber ich kann durch den Regen seinen Gesichtsausdruck nicht richtig erkennen. Wahrscheinlich ist er sauer, weil ich ihn einfach so stehen gelassen hab. Soll er doch, das ist mir echt so was von egal.

Das Klassenzimmer ist mal wieder eiskalt, diese Kleinkinder haben natürlich mal wieder alle Fenster aufgerissen. Aber so wirklich stört es mich nicht, so kann ich den Regen hören, der noch weiter anhält.

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