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V Pünktlichkeit

Neue Erkenntnis: Man – also damit meine ich mich – sollte nicht im Halbschlaf nach Hause gehen. Das hat leider zur Folge, dass man nicht mehr so sehr auf seine Umgebung – zum Beispiel Laternen – achtet und schon hat man eine wunderschöne Beule über dem linken Auge. Das sieht echt schlimm aus. Natürlich war es auch noch voll aufs Piercing, so dass es jetzt noch mehr weh tut als das es eigentlich wehgetan hätte. Verdammter Scheiß! Im Spiegel betrachtet sieht es aus als hätte mir einer ins Gesicht geschlagen, dabei bin ich nur gegen eine Laterne gelaufen. Nun ja es läuft aufs Gleiche hinaus. Leider. In einer halben Stunde muss ich auch schon im Park sein um diesen Idioten zu treffen. Klasse dann darf ich schön durch die Stadt mit meiner Beule laufen. Ganz toll. Ich presse den Eisbeutel gegen meinen Kopf. Hoffentlich schwillt es nicht noch weiter an. Wie kann man – wieder ich – so blöd sein und gegen eine Laterne laufen?! Na ja jeder hat mal einen schlechten Tag. Okay das ist mittlerweile der 1000. in Folge, also ich weiß ja nicht, aber irgendwas läuft da mächtig falsch, sollte mal jemand auf die glorreiche Idee kommen und mich fragen, was aber eh keiner macht. Wieso auch?

Langsam schleppe ich mich zurück in mein Zimmer. Meine Mutter war richtig besorgt, als sie mich vorhin in der Küche mit meinem nicht gerade unauffälligen Mahl in der Küche hat stehen sehen. Wahrscheinlich dachte sie im ersten Moment jemand hätte mich verprügelt, aber hätte das jemand getan, dann hätte ich sicherlich nicht nur diese eine eigentlich doch recht harmlose Beule am Kopf.

Gedankenverloren stehe ich am Fenster. Irgendwie sieht es jeden Tag gleich aus. Schon komisch, das einzige was sich in letzter Zeit in dem kleinen Ausschnitt, den ich aus meinem Zimmerfenster sehen kann, ist doch ob das Grad gemäht ist oder nicht. Gut ab und zu kommt auch eine dieser perfekten Hausfrauen, die Gartenarchitektur studiert haben müssen so perfekt wie sie einen Garten bepflanzen und planen können, und pflanzt ein nettes kleines Bäumchen oder Blümchen ein. Natürlich am liebsten in einer Pastellfarbe.

Es wird Zeit das ich losgehe, sonst komm ich zu spät und ich muss es noch länger mit diesem ….diesem... menschenähnlichen Monster aushalten. Also auf in den Kampf.

Den Eisbeutel drück ich meiner Mutter in die Hand, als ich aus dem Haus geh. Sie wird sich zuverlässig darum kümmern und ihn an meiner Stelle bemuttern, bis ich wieder da bin.

Der Park liegt nicht sehr weit weg. Im Prinzip direkt in der Mitte zwischen Josh´ s und meinem Zuhause. Ich wohne also leider nicht weit genug von diesem Mistkerl entfernt. Aber das kann man ja ändern. Nicht das ich vorhätte umzuziehen, aber na ja bei ihm bin ich mir da nicht so sicher. Unter die Erde ziehen kann er von mir aus sehr gerne. Ich bin sicher da ist es auch relativ bequem und nette Nachbarn gibt’s dort sicher auch. Hehehehe… der Park ist an sich ganz schön, aber na ja nur für Menschen, die es lieben wenn sie von wildfremden Chiwawas angefallen werden und ihre Kinder im Sandkasten alte Kondome finden, die von einer nächtlichen Schäferstunde übrig geblieben sind. Gut aber ansonsten ist er doch eigentlich recht okay. Der Rasen ist ziemlich gepflegt, die Bäume sehen auch noch okay aus und es liegt kein Müll rum.

Am Ausgang warte ich auf Josh, der natürlich zu spät ist. War ja irgendwie klar, dass der mich hier ewig warten lässt.

Nach einer viertel Stunde ist von ihm immer noch nichts zu sehen. Was bildet sich der Kerl eigentlich ein? Glaubt der ich hätte den ganzen Tag Zeit um auf ihn zu warten?! Vielleicht wollt er mich aber auch nur veralbern und lacht sich jetzt daheim ins Fäustchen, während ich hier langsam anfange Wurzeln zu schlagen.

Fünf Minuten später ertönt ein markerschütternder Schrei: „Damian!!! Ich komme!!!“ Ähm ja das könnte ich auch anders verstehen, aber das will ich doch lieber nicht.

Josh kommt auf mich zugestürmt, mit so hohem Tempo, dass er damit sicher seine 1 im 100 Meter Lauf bekommen hätte. Vor mir kommt er auf dem Kiesweg ins Schlingern und bleibt vor mir stehen. Hechelnd grinst er mich an und legt sich dann einfach neben den Weg ins Gras. Der Typ hat echt Nerven, der soll mir endlich meine Sachen geben, damit ich verschwinden kann. Aber statt mir mein Zeug zurückzugeben, hechelt der sich nur weiter einen ab und guckt sich dabei den blauen Himmel etwas genauer an.

Irgendwann kommt er doch noch zu Atem, was meiner Meinung nach aber schon viel zu viel Zeit in Anspruch genommen hat, und setzt sich auf.

Entschuldigend guckt er mich an und lächelt mal wieder, wie schon so oft: „Sorry, dass ich so spät dran bin, aber ich hab die Zeit komplett vergessen.“

„Macht nichts.“ Und ob das was macht, aber das muss der ja nicht wirklich wissen.

Josh schaut mich einen Moment durchdringend an.

„Und ob das was macht, ich weiß doch wie sehr du Unpünktlichkeit hasst.“

Ich zucke nur mit den Achseln. Er hat ja Recht, aber was kann ich denn schon dafür? Nichts, genau! Es geht mir halt einfach unheimlich auf die Nerven, wenn ich auf jemanden warten muss, also meine Zeit für nichts und wieder nichts opfere.

Diesmal lasse ich mich nicht einmal dazu herab etwas zu brummeln. Josh schaut mich nur ein bisschen nachdenklich an, steht dann auf, packt mich am Arm und schleift mich mit auf den Rasen. Unter einer großen Ulme, zumindest glaub ich, dass es eine Ulme ist, leider schlafe ich in Bio grundsätzlich ein, bleibt er stehen und lässt sich im Schneidersitz direkt vor meine Füße plumpsen. Sonst geht’s dem noch gut ja? Genervt setzt ich mich auch hin und schweige vor mich hin.

Josh starrt schon wieder in den Himmel. Langsam frag ich mich, ob er nach irgendwelchen Ufos Ausschau hält. Ich mein wieso starrt er sonst die ganze Zeit in den Himmel? Ich mein das Ding ist doch nur blau, durch und durch blau. Was gibt’s da großes zu gucken?! Irgendwann kommt doch auch noch tatsächlich so ein dämlicher Schmetterling an und dieser seltsame Kerl fängt an dieses Vieh auf seinem Finger hin und her zu schwenken. Ich warte schon drauf, dass er einfach tot herunterfällt.

„Sag mal wie ging es dir in der Zeit so?“ das fragte er ganz leise und so uninteressiert, dass mir sofort klar war, dass es ihn brennend interessierte. Sollte es doch, mir doch egal, von mir bekommt er nix zu hören.

„Wie immer.“

Mit gerunzelter Stirn schaute er mich an, dabei verschwanden fast seine beiden Augen hinter seinen dichten Haaren. „Ja klar.“

 Darauf antworte ich erst gar nicht. Ich hatte keine Lust mit ihm darüber zu reden, wie es mir erging. Er konnte sich doch eh denken, dass es ziemlich scheiße war.

„Na ja egal, also ich denk mal du willst deine Sachen wieder haben.“ Ohne auf meine Antwort zu warten zog er eine Kette aus seiner Hosentasche.

Ich machte große Augen. Natürlich erkannte ich die Kette sofort. Ich dachte ich hätte sie verloren, aber da war sie wieder. In der Hand dieses Monsters. In mir spüre ich ein tiefes Verlangen nach dieser Kette, sie war für mich immer wie eine Trost spendende Erinnerung gewesen. Vor etwa 5 Jahren hatte mir meine Oma sie hinterlassen, kurz bevor sie gestorben war. Meine Oma war die einzige gewesen, die mich wirklich verstanden und mich immer unterstützt hatte. Die Kette war das einzige was ich noch von ihr hatte und es war immer, wenn ich sie ansah als sähe ich das runzelige gutmütige Gesicht meiner Oma. Als ich sie nicht mehr gefunden hatte, war das als wäre meine Oma für mich noch einmal gestorben.

Und da war sie wirklich. Ich hatte sie wieder. Endlich.

Josh musste meine glänzenden Augen bemerkt hatten und er deutete mein Schweigen richtig, hielt also endlich mal seine Klappe. Dann beugte er sich, ehe ich mich versah vor und machte mir ohne große Schwierigkeiten die Kette um.

„Danke“ nuschelte ich. Ich bin echt so was von happy, dass ich meine Kette wiederhabe, dass ich total vergessen habe, das ich seit einer halben Ewigkeit wieder das Wort mit d benutzt habe und das auch noch bei einer Person, die ich abgrundtief hasse. Das hätte mir echt nicht passieren dürfen, aber jetzt ist es wohl auch schon zu spät. Schade auch.

„Was? Sag das noch mal, ich konnte dich nämlich leider nicht so gut verstehen. Irgendwas mit d war es doch.“ Er grinste mich nur an.

Was muss der Typ jetzt auch noch rumalbern, geht’s ihm sonst noch gut? Allmählich werde ich echt sauer auf ihn.

Ihm scheint das nicht aufzufallen, denn er triezt mich weiter: „Was hast du eigentlich mit deinem Kopf angestellt? Bist du mal wieder gegen irgendwas gelaufen?“

„Was soll denn das schon wieder heißen?“ frage ich ihn leicht angesäuert.

„Och nix.“ Meint er und guckt demonstrativ in eine andere Richtung. Scheint als wären die Kinder auf der Schaukel mächtig interessant.

„Sag es.“ Jetzt bin ich aber echt sauer, was bildet der sich eigentlich ein so mit mir zu reden? Gibt es niemand anderes den er nerven kann? Am liebsten würde ich ihn erschießen, nebenbei noch erhängen, dann mit einem Beil zerteilen und Piranhas zum Fraß vorwerfen.

„Tja ich mein mit deiner Matte die du da auf dem Kopf hast, die dir die Augen regelrecht zudecken und die das Wort Haare nicht einmal verdienen, ist es klar das du dauernd gegen Sachen läufst.“ Er grinst mich so breit an wie ein Honigkuchenpferd.

Langsam spüre ich wie heißer Zorn in mir aufsteigt. Wie ich ihn hasse! Mein Kopf wird langsam rot vor Zorn und meine Augen sprühen regelrecht Funken so wütend wie ich bin.

Aber er meint nur: „Ach nimm es nicht persönlich. Es ist allgemein bekannt, dass du zu blöd bist um Sachen auszuweich …“ zu mehr kommt er nicht, denn ich habe mich bereits auf ihn gestürzt, um ihm endlich sein bescheuertes Grinsen aus dem Gesicht zu prügeln.   

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