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VII Deine Tränen

Josh schaut mich nur tieftraurig an. Echt ich glaub er fängt gleich an wie ein kleines Mädchen zu heulen, dem man den Lolli geklaut hat. Und das nur weil ich mal wieder nicht meine verfickte Klappe halten konnte! Man ich muss doch aber auch jeden verletzten. Klar irgendwie ist er ja schon selbst schuld, immerhin hab ich ihn nur verletzt weil er mich vor einer knappen Ewigkeit bist aufs Schärfste verletzt hat. Aber genau das ist es doch…es ist eine Ewigkeit her und die Zeit hat so gute Arbeit geleistet, dass ich es schon vergessen hatte. Die Betonung liegt auf „hatte“. Er musste ja wieder in meiner Umgebung auftauchen und alles wieder hoch holen. All die guten und bösen Erinnerungen unserer Freundschaft, aber besonders die bösen. Wenn ich ehrlich bin kann ich mich an die guten schon gar nicht mehr erinnern. Die schlechten haben wohl alle anderen überlagert. Schlimm genug waren sie ja auch.

Aber trotzdem. Gott dieser Gesichtsausdruck. Ich raste gleich aus, wenn er weiter so guckt nehme ich ihn noch in den Arm und verspreche ihm auch noch dass wir ab heute wieder beste Freunde sind. Aber nicht mit mir! Nicht so lange ich lebe! Vorher werde ich ihm diesen tieftraurigen Ausdruck noch aus seinen scheiß blauen Augen prügeln! Da hebe ich tatsächlich den Arm und schlag ihm voll ins Gesicht. Offenbar hat er den Schlag nicht kommen sehn und mein Schlag schleudert ihn gegen den Baum. Woher um Himmels willen hab ich diese Kraft?! Ich mein ich hab doch kaum Muskeln, wie kann ich Josh dann gegen einen Baum schmeißen? Vielleicht liegt es ja auch daran, dass Josh es nicht hat kommen sehen und sich nicht gewehrt hat. Ist ja auch egal, aber ich hätte das wirklich nicht tun sollen. So schnell wie meine Wut da war so schnell ist sie auch schon wieder verschwunden und was bleibt sind Schuldgefühle.

Josh rappelt sich vorsichtig auf und guckt mich wütend an. Seine Lippe blutet.

„Sag mal was sollte das?!“ schreit er mich an.

„Ich … keine Ahnung … ich wollte nicht… äh …“ Oh man bin ich peinlich, ich höre mich an wie ein Hauptschüler mit einem kleineren IQ als eine Banane. Peinlicher geht’s echt nicht mehr.

Mein Gegenüber starrt mich von oben weiter böse an. Er wischt sich das Blut mit dem Handrücken ab und seufzt dann resigniert. Versteh einer diesen Kerl. Jetzt guckt der auch noch traurig. Ich mein ich hätte es verstehen können, wenn er sich jetzt auf mich gestürzt und mich grün und blau geprügelt hätte aber wieso schaut er jetzt wieder wie ein kleiner trauriger Junge aus? Das passt doch vorne und hinten nicht zusammen!

Anscheinend bemerkt er meinen inneren Konflikt, auf jeden Fall lächelt er mich nur goldig wie ein Terrier an und setzt sich vor meine Füße.

„Weißt du Da … du hast mir gefehlt.“

Wieso sagt er so was? Und wieso guckt er mich auch noch so super super lieb dabei an? Da kann doch kein Mensch nein sagen, zumindest keiner der noch ein schlagendes Herz in seiner Brust hat. Ein schlagendes habe ich noch, aber ob das noch etwas anderes fühlen kann außer Schmerz? Was wenn er sich im Stillen über mich lustig macht und mich nur noch mehr verletzten will.

Er wartet anscheinend auf eine Antwort…hm es ist wohl am besten ich sag ihm die Wahrheit, vielleicht verletzt es ihn so sehr wie er mich damals verletzt hat. Obwohl das eigentlich gar nicht geht.

„Ich weiß nicht ob ich dir trauen kann.“ So ganz einfach auf den Punkt gebracht. Ich glaube ihr wollt gar nicht wissen was er darauf macht. Glaubt mir das wollt ihr nicht, aber na ja egal ich wird es euch trotzdem sagen. Er lacht mal wieder. Sieht fast so aus als ob er gleich heult vor lauter Lachen. Ich versteh echt nicht was daran so lustig sein soll. Hab ich vielleicht ein Wort falsch ausgesprochen oder eine Türken ähnliche Grammatik benutzt? Eigentlich doch nicht oder? Josh beruhigt sich aber schnell wieder und grinst mich dann an.

„Weißt du ich habe mir schon gedacht, dass du das sagen würdest. Mir würde es ja genauso gehen an deiner Stelle. Aber weißt du was?“

Ich schüttele auf seine Frage nur den Kopf. Natürlich weiß ich etwas, aber das dürfte ihm ja völlig gleich sein.

„Ich möchte gerne, dass du mir wieder vertraust. Du weißt schon so wie früher.“

„Und wieso sollte ich so dumm sein und das machen?“

„Hm weißt du ich hab mich bei den anderen aus der Klasse erkundigt und keiner sagt, dass er wirklich dein Freund ist. Ziemlich traurig oder?“

Ach so ist das also. Maik sagt sogar schon einem völlig Fremden, dass wir keine Freunde sind, behauptet vor mir das dem so sei an manchen Tagen gleich zehn mal. Wie überaus nett von ihm.

Mein Gesicht muss so ziemlich meine Gedanken widerspiegeln, denn Josh schaut mich etwas mitleidig an.

„Hör mal Da, jeder bracht mindestens einen Freund, auch du.“

„Aber…“ Versuche ich zu widersprechen, werde aber sofort unterbrochen.

„Versuch mir erst gar nicht weiß zu machen, dass es einen besten Freund gibt von dem keiner aus unsrer Klasse etwas weiß. Wir wissen beide, dass es keinen gibt.“

Ich lasse den Kopf hängen und starre nur noch auf meine Hände. Sie zittern ziemlich stark, aber ich schaffe es einfach nicht sie zu beruhigen. Zu allem Überfluss merke ich auch noch wie mir die Tränen in die Augen steigen. Oh man ich kann doch jetzt nicht anfangen wie ein kleines Mädchen zu heulen. Und alles nur weil er verdammt noch mal Recht haben muss! Nur ist es bis heute noch nie jemanden aufgefallen und um ehrlich zu sein ich war bis jetzt zu feige es laut auszusprechen oder auch nur so klar zu denken. Ich bin wohl der einzige Mensch auf der großen weiten Welt, der es nicht fertig bringt einen Freund zu haben. Man, dass klingt wie aus einem schlechten Film. Mein Zittern weitet sich unweigerlich aus, bis Josh sich wieder auf meine Beine setzt und mich an den Schulter packt.

„Da …  hey beruhig dich…“ Seine Stimme ist ganz leise und irgendwie klingt sie total fern. Als wäre sie von einem anderen Stern.

„Ich weiß, dass du mir im Moment noch nicht vertraust, aber weißt du vielleicht kannst du es ja mit der Zeit wieder. Irgendwann einmal.“

Ich muss laut schniefen, weil meine Nase aus unerfindlichen Gründen just in diesem Moment beschlossen hat einen Marathon zu laufen. Das was er sagt klingt doch schon irgendwie zu fantastisch, um wahr zu sein. Das kann doch alles nicht wahr sein. Oder vielleicht doch? Ich würde es ihm wirklich gerne glauben, aber da ist leider wieder einmal mein Verstand dazwischen, der meint, nein glaub ihm nicht, er verletzt dich eh nur wieder. Wieso kann ich meinen Verstand nicht einmal abschalten oder zumindest dieses kleine Stimmchen in meinem Kopf ignorieren?

„Ich wäre gerne wieder dein bester Freund.“

Überrascht sehe ich zu Josh auf und sehe Tränen in seinen Augen glitzern.

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