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VIII Freunde?

Ich bin sprachlos. Hat er gerade wirklich gesagt er will wieder mein bester Freund sein? Ich meine hab ich das richtig verstanden? Der Mensch, der mich am meisten bisher in meinem Leben verletzt hat will wieder mit mir befreundet sein? Und ist dieser jemanden wirklich fast dabei in Tränen auszubrechen und alles mit diesem salzigen Etwas zu überfluten? Passiert das hier alles gerade wirklich oder lieg ich immer noch in der Schule und penne grad auf meinem Schreibtisch? Ich warte wirklich drauf, dass gleich meine liebe Kunstlehrerin kommt und mich unsanft aufweckt, um mich darauf hin gleich mal zum Direktor zu schleifen. Das kann doch alles nicht war sein!

Aber es ist war. Das wird mir bewusst als die Joshs erste Träne auf meinen Handrücken tropft. Ich merke wie ich mich nach vorne beuge und ihn in meine Arme nehme. Sag mal wieso mach ich das? Irgendwie kann ich meinen Körper nicht mehr steuern. Es ist als ob mein Verstand sich vollständig abgeschalten hätte und mein Herz nur noch diesen armen Jungen trösten will. Ich fass es nicht, dass Josh wirklich in meinen Armen liegt und mein T-shirt vollheult. Er hört gar nicht mehr auf zu weinen. Er drückt sich immer weiter an mich, als versuche er sich in mir zu verstecken vor der bösen Welt. Aus einem Grund den ich nicht kenne lasse ich das sogar zu. Ich drücke ihn sogar an mich. Meine Hände fahren seinen breiten Rücken entlang, in der Hoffnung dass er das als tröstlich empfindet. Wie konnte es nur dazu kommen, dass dieser große Junge auf einem weint wie ein kleines Mädchen? Ich werde es wohl nie verstehen. Leise höre ich sein Schluchzen…und ich dachte immer, solche Laute geben nur Emos und kleine Kinder von sich, aber anscheinend habe ich da wohl falsch gedacht.

Anscheinend hilft die über - den - Rücken - streichen - Methode nicht viel. Wäre ja auch zu einfach gewesen. Langsam ist mein ganzes T-shirt nass und klebt an meiner Haut. Ich spüre seinen stockenden Atem an meinem Hals. Mit einen Hand ziehe ich ihn in eine halbwegs normale und bequeme Position auf meinen Schoß. Er lässt alles widerstandslos mit sich machen, rückt mit seinem Gesicht keinen Milimeter von meiner Halsbeuge hab. Soll er doch, wenn es ihn tröstet. Die eine Hand um seine Hüfte geschlungen, drücke ich ihn an mich und lehne mich langsam zurück ins Gras. Man wird der schwer mit der Zeit. Aber irgendwie ist diese Schwere auch angenehm. Wie eine riesige Decke liegt er auf mir und versucht sich zu verkriechen. Mit meiner linken Hand kraule ich ihm den Nacken und welch ein Wunder er hört sogar in diesem Leben auf zu weinen! Ich hab es geschafft! Auftrag erfolgreich ausgeführt, Sir! Dafür fängt er an zu schnurren wie ein Kater. So richtig tief. Liegt wahrscheinlich daran, dass ich ihn immer noch kraule. Ey ich wusste gar nicht, dass ein Mensch solche Laute von sich geben kann, da stellen sich wirklich meine Nackenhaare auf. Es ist ein richtig tiefes Schnurren, dass mir durch Mark und Bein geht. Wirkt ganz schön einschläfernd und so schön beruhigend auf meinen Kopf. Das wirkt echt besser als eine ganze Packung Aspirin. Geil!

Meine Selbstbeherrschung muss irgendwann flöten gegangen sein, denn ich gähne ziemlich lautstark und herzhaft.

Das beruhigende Schnurren hört abrupt auf, obwohl ich doch weiterkraule. Sag mal was soll das? Wenn ich schon so gütig bin und ihn kraule will ich gefälligst auch meinen Aspirinersatz haben!

Von irgendwo an meinem Hals höre ich eine belustigte Stimme: „Na ist der feine Herr Rilke müde?“

„Red keinen Quatsch.“ Kommt die müde Antwort meinerseits.

Was kann ich denn dafür wenn er so einschläfernd summt und ich mir, da er wie eine schwere Decke auf mir liegt, vor komme als wäre ich in einem großen grünen Bett.

Plötzlich hebt Josh seinen Kopf hoch. Manno kann der nicht mal einfach liegen bleiben und mich in Ruhe lassen? Aber anscheinend will er mich lieber frech angrinsen. War ja klar. Ich rolle als Antwort auf sein Grinsen nur mit den Augen.

Josh sieht ziemlich schlimm aus… seine Haare sind verstrubbelt und stehen in alle Himmelsrichtungen ab, die Augen sehen verweint aus und über sein Gesicht laufen helle Tränenspuren. Außerdem sieht seine Lippe immer noch blutig aus und schwillt schön an. Ich merke ein Ziehen in meiner Brust, wenn ich daran denke, dass ich daran schuld bin, dass seine Lippe so zugerichtet ist.

„Wie geht es deinem Kopf?“ Mann, wenn der mich noch mal so erschreckt krieg ich einen Herzinfarkt.

Ich gucke ihn nur verwirrt an. Wieso will er das wissen? Kann er sich nicht denken, dass es ihm…ja wie eigentlich geht? Die Kopfschmerzen sind weitestgehend verschwunden und ich spüre nur noch ein leichtes Pochen in meiner Stirn. Als ob etwas von innen nach außen will. Vielleicht will mein Hirn ja vor mir fliehen.

„Es geht.“ Beantworte ich seine Frage nachdem er mich ungeduldig angeguckt hat.

„Du solltest es lieber kühlen, damit dein Wasserkopf abschwillt.“

„Klar wenn du mir sagst, wo ich jetzt Eis herkriege.“

„Was willst du denn für eins? Schoko, Erdbeere oder Kiwi?“

„Schoko.“

„Dann frag den Heini da hinten ob er es dir besorgt und bring mir gleich mal eins mit.“

„Wieso sollte ich? Du besorgst es dir doch lieber selber.“

„Tu ich gar nicht.“ Meint er schmollend.

Och ist der arme kleine Josh traurig? Das tut mir jetzt aber leid. Er hat es verdient.

Josh legt seinen Kopf wieder in meine Halsbeuge und nach einer Weile fragt er mich leise, ob ich weiterkraule. Hm wieso nicht? Also los ans fröhliche Kraulen. Ihm scheint es ja zu gefallen, immerhin fängt er wieder an laut zu schnurren.

Ich weiß gar nicht wie lange wir so da liegen, aber es kommt mir vor wie eine Ewigkeit. Mich erfüllt ein Frieden, den ich nie wieder verlieren will. Am liebsten würde ich echt für immer hier liegen bleiben und auch wenn es mit ihm sein müsste. Hä? Wieso stört es mich plötzlich nicht mehr, dass mein Erzfeind gerade auf mir liegt?! Aber ich glaub diese Antwort will ich gar nicht wissen. Muss im Moment nicht sein. Ich will einfach in Ruhe hier liegen und weiter dieses beruhigende Schnurren hören.

„Du Da~a?“ Sag mal hab ich nicht gerade gesagt ich will meine Ruhe haben?

„Hm.“ Ich glaub man hört mir an, dass ich jetzt nicht reden will.

„Sind wir jetzt wieder Freunde oder…?“ Bei den letzten paar Worten musste ich mich echt anstrengend, dass ich ihn verstehe, so leise, das ich echt Schwierigkeiten habe ihn zu verstehen.

Sind war das jetzt wieder? Freunde? Ich weiß echt nicht was ich ihm sagen soll, aber … vielleicht, vielleicht kann ich es ja wirklich lernen. Vielleicht kann ich meinen kranken Kopf wieder dazu bringen, dass ich ihm vertraue.

„Hm … denk schon.“ So jetzt hab ich es gesagt und wenn er mich wirklich verarscht, dann verletzt er mich eben. Toll dann hab ich wenigstens was gelernt. Aber vielleicht macht er es ja auch nicht. Kann das sein?

„Find ich schön.“ Kommt darauf nur die schon fast unhörbare Antwort von ihm und er drückt sich noch mehr an mich.

Ich fühle seinen leichten Atem auf meinem Hals. Kitzelt ja ganz schön, wenn er ausatmet, aber fühlt sich gleichzeitig an wie warme Finger die mich streicheln. Betatschen könnte man auch sagen. Man ich sollt aufhören zu denken und eine Runde schlafen. Meine Augenlider sind eh schon so schwer, dass ich es mich viel Kraft kostet sie überhaupt offen zu halten.

Auf einmal fühle ich wie meine Decke von mir runter geht. Hä was soll das denn jetzt? Fragend schaue ich Josh an, aber der grinst nur wie immer. Dann nimmt er meine Hände und zieht mich mit einem Ruck nach oben. Sag mal seit wann ist er so stark, dass er mich nach oben ziehen kann wie einen leeren Sack?

„Na komm ich bring dich nach Hause. Sonst sieht dein Kopf morgen noch aus, als ob jemand dein Hirn mit zuviel Watte ausgestopft hätte und jetzt überquillt.“ Schon wieder sein lautes helles Lachen.

Man kann der nicht einmal aufhören, sich über mich lustig zu machen? Aber na ja irgendwo hat er ja schon Recht. Mein Kopf dürfte mittlerweile auf die Größe einer Melone angeschwollen sein. Die Schmerzen kehren, jetzt da ich stehe, wieder mit aller Wucht zurück. Mir wird auch kurz schwarz vor Augen. Oh man ich will nur noch eine ganze Packung Schmerztabletten und dann in mein warmes weiches Bett.

Josh legt einen Arm um meine Schulter, wahrscheinlich hat er gemerkt, dass ich nicht gerade sicher auf den Beinen bin. Klasse, jetzt fühl ich mich gleich noch schwächer. Wieso muss er mich jetzt in diesem Zustand sehen? Noch peinlicher geht’s doch echt nicht. Ihm scheint es aber nichts auszumachen. Er führt mich stattdessen sicher aus dem Park heraus und hinein in mein Wohngebiet. Die Leute haben uns schon etwas seltsam angeschaut. Ich meine, sieht doch auch zu komisch aus wie wir rumlaufen. Zwei Jungs, beide nicht gerade ohne Schäden laufen Arm in Arm durch die halbe Stadt. Dazu kommt, dass sie unterschiedlicher gar nicht aussehen könnten. Josh hat mal wieder eine besche Skaterhose an und dazu ein weißes T-shirt, während ich ganz in schwarz rumlaufe. Krassere Gegensätze gibt es doch wirklich nicht.

Erleichtert atme ich aus. Mein Haus kommt endlich in Sicht. Die letzten Minuten waren echt eine Qual. Die Kopfschmerzen sind so stark, dass sie meine ganzen Sinne benebeln und mir ist deshalb schon mehrmals wieder schwarz vor Augen geworden. Josh hatte das gemerkt und ist merklich vorsichtiger mit mir gelaufen. Als wäre ich ein Krüppel! Na aber um ehrlich zu sein, im Moment habe ich ganz andere Sorgen über die ich nachdenken muss. Mein Kopf!!!!

Josh schleppt mich schon fast die Auffahrt hoch und setzt mich dann auf den Stufenabsatz vor der Haustür. Während er Klingelt behält er mich im Auge, dass weiß ich, auch wenn ich mich nicht zu ihm umdrehe. Ich kann seinen Blick auf meinen Kopf förmlich spüren.

Die Haustür geht auf und ich höre nur ein erschrockenes Keuchen von meiner Mutter – meine Mutter hat ein unverwechselbares erschrockenes Keuchen – als sie Josh sieht. Wahrscheinlich wegen seiner Lippe. Bin gespannt was sie zu meinem Gesicht sagen wird. Josh wechselt ein paar Worte mit ihr, die ich nicht verstehe. Das Dröhnen in meinem Schädel übertönt echt alles. Dann spüre ich wie mich vier Hände und den Armen greifen und mir ins Haus helfen. Sie müssen mich beinahe tragen. Mir wird wieder schwarz vor Augen. Ich will jetzt nur noch ins Bett und schlafen. Wenn ich mich die Schmerzen nicht gerade wach halten.

Sie tragen mich die Treppe rauf in mein Zimmer. Am Rand kriege ich mit, wie meine Mutter sich über das Chaos aufregt. Dann ist da nur noch eine schöne weiche Decke die man über mich breitet. Ich habe gar nicht mehr mitgekriegt, wie ich überhaupt im Bett gelandet bin. Man mein Kopf bringt mich gleich um. Meine Augen habe ich schon lang zusammengekniffen um nicht vor lauter Schmerzen loszuheulen. Ich verkrieche mich in meinem Bett und lege die Arme um meinen Kopf. Vielleicht hilft es ja, aber irgendwie habe ich kaum Hoffnung, dass meine Schmerzen jemals aufhören. So muss sich die Hölle anfühlen. Irgendwer dreht sich zu sich und flößt mir eine eklige Flüssigkeit ein. Wahrscheinlich eine in Wasser aufgelöste Tablette oder was weiß ich, nur bitte lass es etwas sein, was mir gegen diese Schmerzen hilft!

Sobald ich alles ausgetrunken habe, verstecke ich mich wieder in meinem Bett und werde da auch in Ruhe gelassen.

Nach einer Weile in der Hölle klingen die Schmerzen Gott sei Dank ab und ich schlafe ein.

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