fly away & find happiness
Image
Brushes
Design
Home you old JoSh

IX blaue Flecken

Man, kann mal nicht einer das Licht ausmachen, ich erblinde! Wie wahnsinnig blinzele ich in der Hoffnung so mein Augenlicht zu retten. Welcher Idiot hat auch den Rolladen oben gelassen? Ich setzte mich in meinem Bett auf und schaue mich irritiert um. Kann mir mal einer verraten seit wann es morgens um 6 schon so hell ist? Hab ich nicht mitgekriegt, dass irgend so ein Depp unser Haus mit einer überdimensional großen Taschenlampe anleuchtet und sich einen Spaß draus macht mich zu blenden? Da fällt mein Blick auf die Uhr. Einen Moment brauche ich, um die Zeiger richtig zu erkennen. Meine Augen müssen wohl doch etwas abbekommen haben. Aber dann erkenne ich es: HALB EINS?!

„FUCK!“

Wieso zum Henker hat mich niemand geweckt. Mit einem Ruck schmeiße ich meine schön schwarze, weiche und noch warme Decke von mir und springe hastig aus dem Bett. Und schon haut es mich auch auf die Fresse.

„Aua.“ Mein gestöhnter Kommentar zu dieser dämlichen Aktion.

 Ich schaue zu meinen Füßen und ratet mal worüber ich gestolpert bin? Richtig über meinen Ordner. Das war ja irgendwie klar, dass der gerade heute da liegen muss. Nach einem strafenden Blick auf den Ordner stehe ich auf und du meine Fresse, wieso dreht sich alles? Bin ich im Karussell oder was ist los?

Hinter mir höre ich meine Mutter – sie muss wohl wegen dem Krach bei meiner halsbrecherischen Aktion hochgekommen sein –wie sie versucht heil quer durch mein Zimmer zu mir zu gelangen. Eigentlich doch recht aussichtslos, aber irgendwie schafft sie es tatsächlich nicht auf alte Pizzaschachteln, CDs, Zeitschriften, Klamotten, uralte zerzauste Kuscheltiere oder sonstigen Schwachsinn zu treten. Bei mir dreht sich immer noch alles und es sieht so aus, als würde meine Mutter schwanken. Irgendwie lustig die Vorstellung meine Mutter wäre dicht. Unwillkürlich merke ich wie sich meine Mundwinkel etwas nach oben heben, was auf einer Seite merkwürdig weh tut. Komisch, na ja egal, ist vielleicht vom Schlafen noch.

„Wie geht es dir, Schatz?“ Man, kann die Mal bitte nicht so besorgt gucken und aufhören mich Schatz zu nennen?! Ich bin doch nicht ihr Mann!

Sie mustert mein Gesicht kritisch, als hätte ich über Nacht überall Pickel bekommen. Vielleicht hab ich das ja auch. Mein Gott wie schlimm. Als ob mich Pickel sonderlich stören würden. Meine Haare verdecken sie doch eh, da kann es mir reichlich egal sein wie viele Pickel ich habe.

„Wieso habt ihr mich nicht geweckt?!“ Ich bemühe mich erst gar nicht ihr zu antworten. Ich mein hallo? Wegen denen konnte ich nicht in die Schule, okay klar ich bin nie sonderlich scharf drauf, aber noch weniger scharf bin ich auf die doofen Kommentare von meinen ach so tollen Lehrern und Mitschülern. Die meinen doch tatsächlich man ist nie krank, sonder schwänzt immer. Selbst wenn im Landkreis eine Epedemi herumgeht und schon über die Hälfte der Klasse krank ist, habe ich diese Krankheit natürlich nicht sondern schwänze. Genau das kann ich mir am Montag dann natürlich auch gleich anhören. Ihr könnt meine Begeisterung sicherlich schon fast körperlich spüren.

Meine Mutter schaut mich nur überrascht an und erklärt dann: „Damian, du hast dich gestern geprügelt. Wir hielten es für das beste, dich nicht in die Schule zu schicken, immerhin sieht dein Kopf immer noch nicht sonderlich gut aus.“

Hä? Geprügelt? Ich? Sicher, dass die mich meint?

Meine Verwunderung muss sich wohl auf meinem Gesicht abspiegeln, denn sie fragt: „Kannst du dich nicht erinnern, Schatz? Josh hat dich gestern Abend nach Hause gebracht, wollte aber nicht sagen, wer dich so zugerichtet hat.“ Dabei streicht sie über meine Wange, was echt weh tut und ich zusammenzucke.

Hm…Josh? Irgendwas klingelt da in meinem Kopf. Oh man, kann mein Hirn nicht einmal schneller arbeiten? Grüne Wiese, Joshs Grinsen, Kopfschmerzen…Schnurren. Schlagartig ist alles wieder da. Es ist als würde eine Welle in meinem Kopf zusammenschlagen und das ist echt kein gutes Gefühl. An was ich mich erinnere, will ich, ehrlich gesagt, sofort wieder vergessen. Habe ich ihn wirklich gekrault?!

„Erinnerst du dich wieder?“ Kann die nicht mal ihre Klappe halten und mich den Schrott wieder verdrängen lassen?!

„Hm.“

„Gut. Ich würde sagen, du gehst erstmal duschen und schmierst dir dann bitte dein Gesicht mit der Salbe ein. Sie liegt im Bad.“ Und schon macht sie sich mit Bewegungen, die einem Storch alle Ehre gemacht hätten, auf den Weg in die Freiheit – also nur raus aus meinem Zimmer.

Duschen halt ich gar nicht mal für eine schlechte Idee. Vor allem nachdem ich mal kurz an meinem T-shirt geschnüffelt habe. Na ja, so was nennt man wohl den männlichen Geruch. Also jetzt muss ich nur noch ein paar frische Klamotten aus meinem Schrank suchen. Fragt sich nur welche. Hm…okay es ist Wochenende, da werden wohl kaputte Jeans und T-shirt reichen. Und nu ab in das heilige strahlend weiße Bad!

Im Bad erwartet mich ein Schock. Okay es ist nicht das Bad an sich, sondern der Spiegel. Besser gesagt mein Spiegelbild. Was ist in meinem Gesicht eigentlich nicht blau oder violett? Mein rechtes Auge ist blau, meine halbe Stirn auch, die linke Wange ebenfalls und um meine Piercings herum ist die Haut knallrot. Ein Wunder, dass sie nicht rausgerissen wurden. Dann hätte Josh was erlebt. Gut er wird sowieso was erleben? Wie konnte er mich nur so zurichten? Man sieht mir doch an, dass sobald man mich einmal schlägt, sich dort sofort ein riesiger blauer Fleck entwickelt. Klasse, dass wird Gesprächsstoff geben. Ich kann mir die Kommentare schon richtig vorstellen.

Ich piekse mir leicht in die Wange. Okay das sollte ich nicht noch mal machen. Tut das weh!

Das Wasser prickelt angenehm auf meiner Haut, nur meinen blauen Flecken tut das nicht so gut. Ich habe nicht nur im Gesicht diese nicht gerade schönen Flecken, sondern auch an den Händen und Armen – mein rechtes Handgelenk muss ich irgendwie geprellt haben, ich kann es nur noch unter Schmerzen bewegen – und einen an der Hüfte. Wahrscheinlich ist Josh doch zu schwer für mich gewesen. Na warte, der kann was erleben wenn ich ihn das nächste Mal sehe. Aber zu erst einmal genieße ich noch ein Weilchen dieses wunderbare Gefühl von massierenden Fingern auf meinem gemarterten Körper.

Das Abtrocknen erweißt sich, vor allem bei meinem Gesicht, als ziemlich problematisch, weil ich jedes Mal zusammenzucke, wenn das Handtuch einen von meinen blauen Flecken berührt. Warum muss das auch so wehtun? Das ist doch unfair.

Mit den frischen Klamotten am Körper fühle ich mich gleich ein bisschen wohler. Schon komisch, was ein paar Fetzen Stoff für ein schönes Gefühl geben können.

Mein Zimmer ist immer noch total hell, also ziehe ich erstmal die Vorhänge ein Stück zu. Man, bei soviel Licht wirst du ja noch ganz gaga.

„Damian, Besuch für dich!“ brüllt irgendjemand von unten, ich nehme an es war Chekabunny.

Hä? Besuch? Wer will mich besuchen? Dann fällt der Groschen: Josh. Oder es ist einer von den Zeugen Jehovas, meine Eltern schicken die ja mit Vorliebe zu mir, damit sie sich nicht damit rumplagen müssen. Ich find das immer wahnsinnig nett von denen. Na ja, mal sehen wer da für mich gekommen ist.

Als ich die Tür auf mache renne ich schon fast gegen meinen „Besuch“. Da dieser jemand bis zu meinem Zimmer hochgekommen ist, bezweifele ich stark, dass er oder sie von den Zeugen Jehovas ist. Und als ich in ein grinsendes Gesicht sehe werde ich bestätigt. Es ist Josh. Eigentlich sollte ich sofort auf ihn losgehen, wegen meinem Gesicht, aber irgendwie … ich kann ihn nicht schlagen, schon gar nicht wenn ich in diese kristallklaren blauen Augen schaue. Es ist als würde man in ihnen versinken. Ich könnte wirklich stundenlang so da stehen und seine Augen anstarren. Nur leider muss er mich wieder einmal darin stören. War ja klar.

„Na wie geht’s dir, Kleiner?“

 

Host

Gratis bloggen bei
myblog.de