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XIV Müdigkeit

Josh hat mich sehr lange in seinen Armen gehalten. Ich weiß nicht wie lange es war, da ich irgendwann mein Zeitgefühl verloren habe. Die ganze Zeit über, in der er mich festhielt, lag ich auf seiner Brust und sah den Menschen bei ihrem Freibadbesuch zu. Schon komisch, aber es hat mir wirklich gefallen. Wenn ich daran zurückdenke, muss ich mich echt zusammenreißen, um nicht dämlich vor mich hinzugrinsen, wie ein kleiner zum ersten Mal verknallter Tennie. Dabei bin ich doch nicht mal in ihn verliebt!

Oder?

Ach was soll das? Er ist ein Junge! Ich kann doch gar nicht in ihn verliebt sein.

Irgendwann bin ich eingeschlafen. Ich weiß nicht genau wieso. Okay, ich bin dauernd müde, aber ich versteh nicht wie ich auf ihm liegend einschlafen konnte! Vielleicht war es sein beruhigende Wärme, die warme Sonne auf meinem Rücken, sein ruhiger Herzschlag … na auf jeden Fall hab ich gepennt. Keine Ahnung wie lange.

Als ich wieder aufwachte, lag ich auf meinem Handtuch – wie ich es immer noch tue – und Josh war weg. Ich sitze jetzt schon seit knapp zehn Minuten auf meinem Handtuch und suche das Freibad mit den Augen nach ihm ab. Wo zum Henker steckt der Kerl? Der kann mich doch nicht einfach so alleine lassen. Wenigstens weiß ich, dank seinem Badetuch, dass er das Freibad noch nicht verlassen hat. Irgendwie ein schwacher Trost. Okay, wenigstens habe ich dank seiner Abwesenheit ein wenig Ruhe. Ohne ihn ist es auf einmal so schön ruhig. Und kalt. Auch kein Wunder, dass mir kalt ist, immerhin liege ich im Schatten. Na dann zieh ich eben meine Sachen wieder an.

Meine Klamotten sind von der Sonne schön warm und angenehm liegen sie auf meiner Haut. An den Baum gelehnt genieße ich die Stille.

Doch die Stille wärt nicht lange. War ja auch irgendwie klar oder?

„Na, du Schlafmütze? Schon ausgeschlafen?“

Ich bleibe mit geschlossenen Augen sitzen und versuche ihn zu ignorieren. Kann er mich nicht einfach mal in Ruhe lassen, wenn ich es will.

Was riecht hier so gut? Vorsichtig schnüffele ich in der Luft. Es riecht nach… ich reiße die Augen auf.

„Pommes?“

„Für dich gibt’s Eis.“ Grinst er mich an.

Er weiß also noch, dass ich Pommes Frites nicht ab kann. Wahrscheinlich bin ich ganz Deutschland das einzige Kind, das keine Pommes isst. Aber das ist doch auch wirklich widerlich. Diese fetttriefenden halbverbrannten Kartoffelscheiben, die wahrscheinlich nicht mal aus Kartoffeln bestehen sondern nur wegen Aromastoffen nach welchen schmecken, kann doch kein Mensch essen, der auf seine Gesundheit achtet.

Josh hält mir ein Erdbeereis hin, das ich ihm mit einem angeekelten Blick auf die lätschigen in Ketchup schwimmenden Pommes, abnahm. Erdbeere ist zwar nicht grade meine Lieblingssorte, aber was soll´ s? Es ist Eis und kein verbranntes Kartoffelstäbchen. Mein Freund ist zufrieden grinsend seine Pommes und labert mich ununterbrochen voll. Dabei dachte ich immer, man solle nicht mit vollem Mund kauen. Irgendetwas muss seine Mutter bei seiner Erziehung falsch gemacht haben.

„Weißte ich hab noch Erik getroffen…“ ein Schlucken…

„Wusstest du, dass er mit Susanna zusammen ist.“

Ein Schulterzucken von mir. Was interessiert es mich? Josh scheint mein Desinteresse nicht zu stören.

„Na auf jeden Fall haben die beiden mächtig Ärger.“ Wieder ein Schlucken. „Susannas Eltern halten nämlich gar nichts von Erik…“

Er redet weiter bis er fertig gegessen hat und selbst dann noch. Ich höre ihm oberflächlich zu und nicke oder zucke mit den Schultern ab und zu, damit er merkt, dass ich nicht eingeschlafen bin. Wie es scheint, redet er sehr gerne. Das hat er früher schon immer gerne getan. Und ich höre ihm wie früher zu. Ich mache das gerne. Er hat eine tiefe beruhigende Stimme. Ich höre sie wirklich sehr gerne. Es ist als wäre nie etwas zwischen uns vorgefallen. Es ist wie früher: Wir sitzen rum, er redet und ich höre ihm zu. Wie früher.

„Hey, Da, sag mal pennst du schon wieder?!“

Jemand piekst mich in die Seite. Benommen schüttele ich mich, um dem pieksendem Etwas zu entkommen. Ich will meine Ruhe haben und die Stimme soll aufhören mit mir zu reden. Aber die Stimme hört nicht auf, genauso wenig wie der pieksende Finger. Langsam werde ich wieder wach. Immer noch etwas von Schlaf benommen schüttele ich den Kopf und schaue fragend Josh an, der sich zu mir gekniet hat um mich zu pieksen.

„Sag mal, was machst du nachts wenn du mir hier immer wieder wegpennst?“, ein besorgter Ausdruck liegt auf seinem Gesicht.

Wow, er kann besorgt schauen? Leider bin ich noch viel zu müde, um mir darüber jetzt noch mehr Gedanken zu machen. Ich bin auch noch zu müde, um mir irgendeine gute Notlüge einfallen zu lassen.

Also sage ich die Wahrheit: „Ich schlafe.“

„Und trotzdem bist du so müde, dass du, während ich mit dir rede, einschläfst?“, er schaut mich ungläubig an.

Ich zucke nur leicht mit den Schultern und lehne mich an den Baum zurück. Josh sitzt neben mir und zupft im Gras rum.

„Du, Da~a?“, fragt er nach einer Weile.

„Hm.“

Ich schaue gerade einer dreifachen Mutter dabei zu wie sie versucht ihre Kinder dazu zubekommen, sich für fünf Sekunden still hinzusetzten.

„Hast du eigentlich eine Freundin?“

Die Frage kam echt überraschend. Mit hochgezogenen Augenbrauen schaue ich ihn an. Meint der die Frage wirklich ernst? Also wenn, dann ist er ein kompletter Idiot.

„Sehe ich so aus?“

Wieder sein Grinsen: „Nein, eigentlich nicht, aber bei dir weiß man doch nie.“

„Pff, nein ich habe keine.“

„Aber verliebt bist doch schon oder?“

„Nein.“

„Hast du es gut.“

Josh lächelt gequält. Ich weiß nicht was ich darauf sagen soll. Mit Liebe kenne ich mich nicht sonderlich gut aus, ehrlich gesagt war ich noch niemals so richtig verliebt. Von daher weiß ich nicht, was so schlimm daran sein kann. Wenn man schwul ist, ist das sicher auch noch mal anders. Könnt ich mir jedenfalls vorstellen. Tja, jetzt weiß ich wieso ich auf Mädchen stehe.

„Wollen wir gehen?“

Ich nicke, je schneller ich hier raus komme, umso besser. Wer weiß was er sich noch ausgedacht hätte, um mich zu ärgern. Ich will es mir gar nicht ausmalen.

Nachdem wir unsere Sachen zusammengepackt hatten, verließen wir das Freibad. Hoffentlich muss ich es so bald nicht wieder sehen. Josh quatscht unterdessen laufend über irgendwelche Schulkameraden. Natürlich achte ich nicht wirklich darauf was er sagt, warum sollte ich auch?

Die Sonne geht schon langsam unter und die Temperatur wird langsam angenehm. Wir sind schon fast an meinem Haus angekommen und ich bin total kaputt. Meine Beine tun weh, mein Schädel und ich spüre jeden blauen Fleck! Ich will in mein Bett! Und mir nicht mehr das dämliche Geschwätz von diesem Idioten antun. Vor meiner Haustüre will ich mich eigentlich von ihm verabschieden, aber Josh ist schon an mir vorbei durch die geöffnete Tür gegangen. Na ganz toll. Das hat mir jetzt noch gefehlt, dass ich den ganzen Abend den Typen am Hals hab. Wieso tust du mir das an, Gott?! Während ich die Treppe hinauftrotte, seufze ich schwer. Man, ich will doch nur noch ins Bett. Aber na ja ist doch eigentlich egal, ob er da ist oder nicht. Ich leg mich jetzt einfach ins Bett und penn eine Runde, soll er doch meckern. Ich brauch doch meinen Schlaf, sonst häng ich Morgen vollends durch.

In meinem Zimmer angekommen sehe ich, dass Josh es sich auf meinem Fensterbrett bequem gemacht hat. Er sieht äußerst interessiert auf die Straße runter und bemerkt offenbar gar nicht, dass ich da bin. Auch gut, so habe ich wenigstens mal meine Ruhe. Ich lege mich mit Klamotten ins Bett, weil ich einfach zu faul bin mich jetzt auszuziehen. Außerdem muss man das doch jetzt nicht vor einem Schwulen machen oder? Nachher kommt der wirklich noch auf falsche Gedanken. Wobei das im Freibad ja auch schon ganz schön schräg war. Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich sagen, dass er was von mir will… aber das kann echt nicht sein. Immerhin sind wir nur Freunde! Ihm muss doch klar sein, dass ich ganz sicher nicht schwul bin und auf ihn stehe. Ich schmiege mich in meine Bettdecke, während ich ihn durch das fahle Abendlicht betrachte. Er sieht gar nicht so schlecht aus…langsam merke ich wie mir die Augen zufallen. Endlich schlafen.

„Da…“

Genervt mache ich wieder die Augen auf.

„Was denn?!“

Josh hat sich auf mein Bett gesetzt und grinst mich an: „Wenn du schon schlafen willst, dann mach es wenigstens richtig.“

Ich schaue ihn nur verwirrt an. Richtig machen? Was will der von mir?! Ich lege mich wieder zurück und ziehe mir die Decke über den Kopf. Aber natürlich lässt er sich nicht so einfach abwimmeln. Er schlägt die Decke zurück und zieht mich hoch. Männo, ich bin doch müde… wieso kann er mich nicht in Ruhe lassen? Seine Hände ziehen mir mein T-shirt über den Kopf, dann macht er sich an meinen Gürtel ran und öffnet ihn mit geschickten Fingern. Wartet mal, mein Gürtel?!

„Was soll das?!!“, ich halte seine Hände fest und schaue ihn wütend an.

Er legt nur die Stirn in Falten und sieht mich verwirrt an. Sein Blick klärt sich aber und er lächelt mich entschuldigend an.

„Tut mir leid, Da, ich wollte nicht, dass du das falsch verstehst. Ich will jetzt wirklich nicht mit dir schlafen, ich will nur, dass du besser schläfst. Glaub mir ich weiß wie man sich fühlt, wenn man in Jeans gepennt hat.“

„Aber ausziehen kann ich mich auch noch selber.“, gifte ich ihn an.

„Gut, dann mach.“, er grinst mich an.

Gut, wenn er es so haben will! Ich schwinge die Beine über die Bettkante und stehe auf. Sobald ich aber stehe spüre ich eine Hand auf meinem Hintern. Mit vor Wut sprühenden Augen drehe ich mich um. Der hat sie doch nicht mehr alle, mich hier zu begrapschen!

Bevor ich aber etwas sagen kann, höre ich sein leises Lachen: „Süßes Herzchen, Da!“

Ach scheiße, das Herz hatte ich ja ganz vergessen. War ja klar, dass er das lustig findet. Man, darüber wird er ewig lachen können. Ganz toll, echt. Er hat seine Hand immer noch auf meinem Arsch und fährt das Herz nach, ich kann seine Finger durch den dünnen Stoff hindurch spüren. Ein kribbelndes Gefühl steigt in meiner Magengegend an.

Josh lacht immer noch leise, hört aber zum Glück schnell damit auf. Stattdessen sah er ihm in die Augen und sein Blick lies mich erstarren. All die Wut ist wie weggeblasen…ich fühle nur noch dieses Kribbeln. Ich kann einfach nicht anders, als ihm ebenfalls in die Augen zu sehen. Langsam steht er auf, sieht mich dabei weiter an und seine Finger bewegen sich keinen Millimeter. Er steht direkt vor mir und ich kann die angenehme Wärme die von ihm ausgeht spüren. Während er mir weiter tief in die Augen schaut und ich das Gefühl habe darin zu ertrinken, öffnet er langsam meine Hose. Ich wehre mich nicht dagegen, obwohl ich es doch sollte, aber aus irgendeinem Grund tue ich es nicht…warum nur? Seine Hände streifen meine Jeans hinab, nicht ohne noch einmal über das Herz zu fahren. Seine Hände ziehen sich wieder zurück und er lächelt mich leicht an.

„Schlaf gut.“

Ich bin immer noch wie erstarrt und kann nicht antworten. Mir schwirren tausend Sachen durch den Kopf. Warm hat er das getan? Steht er etwa auf mich oder will er mich nur verarschen? Was war das für ein Kribbeln? Bin ich etwa schwul? Wieso zum Henker habe ich ihn nicht weggestoßen? Wieso… noch finde ich keine Antwort darauf, ich hoffe ich werde sie jemals finden.

Er umarmt mich kurz und ist dann schnell aus meinem Zimmer verschwunden, bevor ich noch etwas erwidern kann. Ich will ihn doch fragen wieso er das getan hat! Ich habe wirklich keine Ahnung was ich jetzt machen soll. Soll ich einfach so tun als wäre nichts gewesen?

Wieder zurück unter der Decke versuche ich die Gedanken an das gerade eben passierte zu verdrängen. Ich will nur noch schlafen. Es gelingt mir sogar… bis zum nächsten Morgen.

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