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XV Sonntag im Bett?

Sonntag. Sonntag heißt Ausschlafen und gar nichts tun. Und vor allem heißt es, ich kann den Tag im Bett verbringen. Außerdem regnet es draußen eh – wie ich mit einem Blick aus meinen Fenster feststelle. Josh kann also nicht von mir erwarten, dass ich irgendetwas mit ihm unternehme. Nur leider kann ich ihm schlecht verbieten, dass er den ganzen Tag dann mit mir im Haus rumhängen will. Leider. Ich will endlich mal wieder in Ruhe meinen Gedanken nachhängen und mich nicht dauernd von ihm nerven lassen. Klar, ich könnte ihm einfach sagen, dass er sich verziehen soll, aber glaubt ihr wirklich, dass er das machen würde? Ich nicht. In dem Fall habe ich auch mal ausnahmsweise Recht. Leider Gottes.

Ich ziehe die Decke enger um mich rum und kuschele mich in mein Bett. Meine Lider schließen sich und bleiben auch geschlossen, als ich höre wie jemand die Tür öffnet und hereinkommt. Ihr könnt euch ja denken wer es ist.

Seine Stimme klang fröhlich wie immer: „Guten Morgen, Da!“

„Etwas“ setzt sich auf die Bettkante und raschelt herum. Keine Ahnung, was er wieder treibt. Es interessiert mich auch nicht. Ich will nur weiter meine Ruhe haben und schlafen oder zumindest dösen. Tja, da habe ich wohl aber meine Rechnung nicht mit Josh gemacht. Er hört auf zu rascheln und schlüpft stattdessen unter meine warme Bettdecke.

„Was zum Henker soll das denn?!“, erstaunt reiße ich die Augen auf und rutsche automatisch an die Wand ran.

Er guckt mich nur entnervt an, zieht mich erbarmungslos an sich und bettet seinen Kopf auf meine Brust. Was soll den der Scheiß?! Ich versuche mich von ihm los zu machen, aber es hilft nichts, er ist einfach zu stark. Ohne wirklich Anstrengung hält er mich umschlungen. Schon beängstigend wie stark er ist. Ob er heimlich im Fitnessstudio trainiert?

„Hör einfach auf dich zu wehrer, sonst tu ich dir noch weh.“, er spricht leise.

Vielleicht hat er ja Recht. Was bringt es mir, wenn ich mich jetzt total gegen ihn wehrer? Besiegen kann ich ihn nicht, das einzige was ich fertig bringen würde, wäre mir selber weh zu tun. Muss ja nicht sein. Nicht an einem Sonntag.

Ich höre auf gegen ihn zu protestieren. Nach und nach hört er auch auf mich so stark festzuhalten. Stattdessen schmiegt er sich an mich. Ein schön warmes Gefühl macht sich in mir breit. Wie als wenn man einen total heißen Kaffee getrunken hat. Wisst ihr was ich meine? Es ist dieses Gefühl, als wenn man eine Heizung im Bauch hat und man sich fühlt, als ob man gleich abhebt. Dieses Gefühl hab ich auch ganz oft in der ach so tollen Weihnachtszeit, wenn man mir immer Glühwein einflösst. Eigentlich doch ein recht geiles wunderschönes aufwärmendes Getränk. Vor allem dieses Gefühl… tja, aber jetzt kommt die 1-Millionen-Euro-Frage: Woher kommt dieses Gefühl?! Ehrlich gesagt will ich die Antwort lieber nicht wissen. Vorsichtig schiele ich zu dem blonden Haarschopf, der auf meiner Brust ruht und so ruhig atmet, dass man meinen könnte, er schlafe. Wahrscheinlich tut er das auch. Ist ja auch noch früh am Morgen. Schrecklich früh am Morgen. Ich sollte vielleicht auch noch ein bisschen schlafen. Aber dieses Gefühl in meiner Bauchgegend lässt das natürlich nicht zu. Es hat in etwa die aufweckende Wirkung eines Espressos. Na toll. So schön das Gefühl auch ist, so wach bin ich jetzt auch. Oh man, dabei will ich doch eigentlich schlafen. Mir gefällt nur der Grund dieses schönen Gefühls nicht. Angestrengt versuche ich meine Gedanken auf andere Bahnen zu lenken. Ich habe jetzt keinen Bock, über den Grund und dieses Jungen der sich an mich kuschelt nachzudenken. Nicht an einem Sonntag.

„Da?“

Seine Stimmte reißt mich abrupt aus meinen Gedanken. Was will der denn von mir?

„Mhm?“ Der Blondschopf dreht so seinen Kopf, dass er sein Kinn auf meiner Brust abstützt und mir so halb in die Augen schauen kann. Jeden falls in die Teile meiner Augen, die nicht von meinen Haaren bedeckt sind. Da es ja noch so „früh“ am Morgen ist, war ich noch nicht im Bad und folglich stehen meine Haare in alle Himmelsrichtungen ab und ich kann kaum etwas sehen. Aber was soll´ s? Ich habe eh keine Lust ihn anzusehen.    

„Was machen wir heute?“

Meint der die Frage ernst?! Glaubt der wirklich, dass ich an einem SONNTAG irgendetwas anderes mache, als im Bett zu liegen und zu faulenzen?!!!!?!!! Das kann doch nicht sein Ernst sein!

Anhand meines Blickes erkennt er wohl meine Gedanken und grinst breit. Kann der das nicht mal lassen?

„Du hast doch nicht etwa vor, den ganzen Tag im Bett zu bleiben.“

„Doch, klar.“, antworte ich sauer.

Kann ihm doch egal sein, was ich am Sonntag mache oder?! Soll er doch von mir aus Bungeejumping machen, mir ist das so was von egal. Hauptsache er lässt mich zufrieden!

Josh schaut mich listig lächelnd an und meint: „Nix da, wir müssen noch Hausis machen und versuch erst gar nicht, dich davor zu drücken.“

Glaubt der eigentlich selber an das, was er da von sich gibt?

Ich schaue ihm mit meinem Todesblick hinterher, als er aus dem Bett steigt und aus dem Zimmer geht. Die Tür lässt er offen stehen, so dass ich Chekerbunny´ s „Musik“ wieder mithören darf. Was für ein scheiß Morgen! Entschuldigt meine Ausdrucksweise, aber es ist doch wirklich so… Kann man mich nicht einmal einen Tag lang in Frieden lassen? Ist das denn zu viel verlangt? Ich will doch nur einen Tag Ruhe haben, mehr nicht. Morgen ist wieder Schule, da hab ich eh keine Ruhe mehr, also könnte man mir doch wenigstens den Sonntag gönnen oder? Josh sieht das aber anders. Verdammter Bastard! Wenn er nicht wäre, wäre alles noch so wie es vorher war! Ich hätte meine Ruhe, keiner würde mir 24 Stunden am Tag auf den Nerv gehen – mal abgesehen von meinem Leben – und ich hätte gestern auch nicht ins Freibad latschen und mich dort zum Affen machen müssen. Aber wenn er nicht wäre… dann wäre ich wieder vollkommen allein. Allein.

Leise Schritte verraten mir, dass Josh im Anmarsch ist. Okay, leise ist gelogen. Er trampelt regelrecht, so dass man ihn gar nicht überhören kann.

Mit einem Teller Muffins betritt er breit grinsend mein Zimmer. Mir läuft natürlich sofort das Wasser im Mund zusammen. Muffins! Für Muffins könnt ich ja fast so sehr töten, wie für alles Italienische. Apropos italienisch…war da nicht noch was? Aber erst einmal sind die Muffins dran.

Josh setzt sich mir gegenüber an das Ende des Bettes und reicht mir den Teller mit den mit -Zuckerguss - überzogen - Muffins. Ich glaub der Morgen ist doch nicht so scheiße. Muffins können einem doch echt, im wahrsten Sinne des Wortes, den Tag versüßen. Ahhh…I love it.

Ich bin so glücklich über mein Frühstück, dass ich Josh sogar ein klein bisschen anlächele, als ich in den ersten hineinbeiße. Gott, schmecken die himmlisch! Ich werde nachher meine Mutter mal richtig umarmen und ihr sagen, dass sie die beste Bäckerin der Welt ist. Den Muffins nach zu urteilen, ist das ja auch wirklich der Fall.

In Windeseile waren die Muffins verschwunden. Tja, sie waren halt einfach zu lecker. Josh schaute mir bei meinem Mahl belustigt zu. Soweit ich mich erinnern kann, mag er so süße Sachen nicht wirklich, was ich aber gar nicht verstehen kann. Ist doch einfach klasse!

„Du hast da etwas.“, teilt er mir mit einem Grinsen mit und deutet auf eine Stelle nahe seines Mundwinkels.

Ehe ich aber meinen Arm heben kann um den Krümel, Zuckerguss oder was auch immer da hängt, abzuwischen, beugt er sich zu mir vor. Sein Gesicht ist ganz nah und ich kann sehen, dass auch er Pickel hat. Tja, unser Meister ist wie es aussieht, also doch nicht so schön wie ein Model. Sein warmer Atem streicht kurz über mein Gesicht, bis er seine Lippen auf meinem Mundwinkel sinken lässt. Ich kann seine Zunge spüren, die über meine Haut leckt. Es kitzelt leicht und das warme Gefühl in meinem Bauch ist größer denn je. Einen Moment mal: What the fuck macht der da?!?!?! Josh merkt anscheinend, dass etwas nicht stimmt und zieht sich schnell zurück. Ich starre ihn an. Was zum Henker sollte das?! Wollte er mich etwa schon wieder küssen?! Glaubt er etwa, ich lasse mich so einfach abknutschen. Von einem Jungen?! Hat der sie noch alle??????

Josh hat sich wieder an das andere Ende meines Bettes verzogen…er schaut mir nicht ins Gesicht sondern auf seine Füße, die er angezogen hat. Er hat den Kopf in seinen Knien vergraben. Seine Schulter zuckt seltsam, als hätte er Schüttelfrost. Ein leises Schluchzen verrät mir, das es kein Schüttelfrost ist. Shit, jetzt habe ich ihn auch noch zum Heulen gebracht!

Diesmal bin ich, der sich nach vorne beugt. Irgendwie muss ich das doch wieder in Ordnung bringen. Normalerweise bin ich es doch, der sich immer von anderen trösten lässt, aber diesmal ist es andersherum. Ich nehme seinen Kopf in die Hände und ziehe ihn hoch, damit ich ihm ins Gesicht schauen kann. Aus tränenüberströmten Hundeaugen schaut er mich an. Seine zittrigen Lippen formen lautlos vier Worte:

Es tut mir leid.

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