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XVIII Verzeihen

Ich weiß nicht wie lange wir jetzt schon so stehen. Josh hält mich mit beiden Armen umklammert und zerquetscht mich fast, während ich mich einfach nur an ihn lehne, um seine schöne Wärme zu spüren. Mein Kopf ist leer gepustet, ich denke überhaupt nichts. Okay, falsch, ich denke etwas. Ich denke, dass ich nie wieder wo anders sein will, als in seinen Armen. Ich höre seinen leisen Atem und spüre ihn auf meinem Hals. Seine Hände wandern langsam meinen Rücken hinunter, über meine Shorts und verweilen auf meinem Hintern.

„Komm, ich trag dich hoch.“, flüstert er so leise, dass ich es kaum verstehe. Er bräuchte nicht zu flüstern, aber sonst hätte er diese wohltuende Ruhe zerstört.

Josh geht leicht in die Knie und hebt mich sanft hoch. Ich mag keine Höhe und klammer mich reflexartig an ihn. Es macht mir nichts aus, dass er mich berührt, wie es bei anderen Menschen der Fall ist. Ich schlinge meine Beine um seine Hüften, um mehr Halt zu haben und vergrabe meinen Kopf an seiner Halsbeuge. Eine Hand auf meinem Rücken und die andere um mein Bein, setzt er sich vorsichtig in Bewegung.

Nach einer schieren Ewigkeit sind wir in meinem Zimmer angekommen, er hat kein Licht angemacht. Ich will auch nicht, dass er welches anmacht. Muss ja nicht sein, dass er meine Tränen sieht, obwohl er sie in der Küche doch eh schon gesehen hat... aber muss ja trotzdem nicht sein.

Vorsichtig, als wäre ich aus Glas, setzt er mich auf meinem Bett ab. Er drückt mich langsam nach hinten und legt sich dann neben mich. Meine Arme habe ich immer noch um seinen Hals geschlungen und ehrlich gesagt habe ich nicht vor, sie noch n diesem Jahrhundert zu lösen. Ich will diese Wärme in meinem Bauch immer spüren. Es bzw. er ist wie eine Droge für mich.

Wie eine fürsorgliche Mutter deckt er mich zu und zieht mich an sich. Seine Wärme fühlt sich gut an. Ich bette meinen Kopf neben seinen Hals und schließe die Augen. Meine Tränen sind versiegt.

Ich kann kaum klar denken dank der Flugsaurier in meinem Bauch – für Schmetterlinge sind die Gefühle eindeutig zu klein. Langsam werde ich müde, liegt wohl an seiner Wärme. Aber ich kann doch jetzt nicht schlafen! Ich muss ihn doch so vieles fragen! Aber was? Mir fällt es wirklich nicht mehr an, die Flugsaurier manipulieren meine Gedanken. Langsam dämmere ich immer weiter weg...

 

Etwas kitzelt mein Gesicht. Kann man mich nicht einmal in Ruhe schlafen lassen?! Männo, lasst mich doch in Ruhe. Ich will mir die Decke über den Kopf ziehen, aber irgendwo bleibt sie hängen. Auch egal, dann halt nicht. Es kitzelt weiter.

Mit zunehmender Wachheit bemerke ich ein großes Gewicht auf mir. Irgendetwas liegt auf mir drauf. Hat da jemand meine ganzen Klamotten vom Boden auf mich drauf geschmissen? Von der Schwere her würde es ja hinkommen.

Man, kann dieses „etwas“ nicht damit aufhören mich zu kitzeln?! Das nervt!

Sauer mache ich die Augen auf und blicke in zwei glasklare stechend blaue Augen. Josh. Shit, den hatte ich ja ganz vergessen! Er grinst wie immer von einem Ohr zum anderen. Man, kann der das nicht mal wenigstens am frühen Morgen lassen? Anscheinend nicht. Wieso hat er es sich überhaupt AUF mir bequem gemacht, hat der sie nicht mehr alle? Immerhin bin ich nicht gerade stark. Langsam tut es richtig weh...

Mit zwei Fingern hält er eine Haarsträhne von sich fest und lässt sie über mein Gesicht streichen. Das hat also so gekitzelt. Mit einem Lachen sagt er: „Guten Morgen, Kleiner!“

Ich grummele nur etwas Unverständliches vor mich hin. Wie kommt es, dass er schon so früh am Morgen so eine verdammte gute Laune hat? Und wieso hat er das Rollo hoch gemacht? Die Sonne blendet mich doch nur.

Er senkt den Kopf und kuschelt sich genüsslich an mich. Wahrscheinlich nichts ahnend, dass er total schwer ist.

„Geh von mir runter.“, kommt es von mir mit gequälter Stimme. Er schaut mich darauf nur mit hochgezogenen Augenbrauen an, rollt sich aber brav von mir und kuschelt sich stattdessen an meine Seite.

Ich atme ein paar Mal tief durch. Mein Gott, wie viel wiegt der Kerl?!

„Deine Eltern haben so um 4 angerufen. Hab sie auf den Anrufbeantworter sprechen lassen.“

„Was wollten sie?“

„Nur sagen, dass sie über Nacht bleiben, weil dein Vater nicht mehr fahren konnte. Und natürlich wollten sie ihrem kleinen Schatzi sagen wie unglaublich lieb sie ihn haben.“ Er kicherte leise.

„Pff...“

Einige Minuten schweigen wir, es ist ein angenehmes Schweigen. Er hat einen Arm um  meine Brust geschlungen und spielt mit dem Saum meines T-Shirt-Ärmels. Mein Kopf lief auf Hochtouren. Wieso hatte er das alles getan? Wieso? Wieso? Wieso? Verdammt noch mal, wieso?! Ich kann es mir einfach nicht erklären. Mir wird wohl nichts anderes übrig bleiben, als ihn zu fragen, ob es mir gefällt oder nicht. Und wie es mir nicht gefällt.

„Du, Josh?“, frage ich leise.

„Hm?“

„Wieso...?“, ich stocke. Ja, wieso was? Was soll ich fragen? „Wieso hast du mit diesem Kerl rumgemacht?“ Das geht mich doch ja eigentlich nichts an... „Wieso warst du nicht in der Schule?“ geht mich auch nichts an ... „Wieso bist du gestern bei mir eingebrochen?“ ja, das geht mich etwas an, aber wird er darauf überhaupt ernst antworten. Und was bringt mir dann die Antwort überhaupt?

„Ja, wieso ist eine gute Frage.“, er sagt das vollkommen ernst, was überhaupt nicht zu ihm passt.

Der blonde Junge stützt sich auf meine Schulter und schaut mich vollkommen ernst an. Ich erwidere seinen Blick ausdruckslos.

„Ich fange wohl am besten am Anfang an... hm, am Sonntag war ich total fertig von dem ganzen“ gute Umschreibung für das was passiert ist „, dass ich nicht mehr wusste was ich denken sollte. Ich dachte irgendwie, dass du mich nie wieder sehen willst und alles war nur scheiße. Na ja ich hab dann am Montag die Schule geschwänzt, weil ich es nicht ertragen hätte dich zu sehen. Ich hab dann einfach einen alten Kumpel von mir eingeladen und na ja...“ ein leichter Rotschimmer legt sich über seine Wangen, sieht fast schon süß aus ... Da, ignorier gefälligst die Flugsaurier! Josh hört auf zu sprechen und starrt neben meinem Ohr vorbei. Er ist immer noch rot im Gesicht.

Nach einer Weile sieht er mich wieder an: „Es tut mir leid, Da.“ Was tut dir leid?

„Es tut mir nicht nur leid, dass du uns gesehen hast, sondern es tut mir auch leid, dass ich es überhaupt getan habe... es tut mir so leid.“ Ihm steigen Tränen in die Augen. Kann ich ihm verzeihen? Ich meine es war hart ihn da zu sehen... mit einem anderen. Aber was soll ich denn sonst machen? Wenn ich ihm nicht verzeihe ist unsre Freundschaft gelaufen. Ich ...

„Als ich dich dann die ganze Woche nicht mehr in der Schule gesehen habe, habe ich mir schreckliche Sorgen gemacht. Ich wusste nicht was ich tun sollte... ich wusste ja auch nicht wie du reagieren würdest, wenn ich mich bei dir entschuldige. Du wirst mir wahrscheinlich nicht verzeihen können. Kann ich auch verstehen.“

Josh senkt den Blick und starrt auf meine Schulter. Eine Träne rollt ihm über die linke Wange. Ich hebe langsam die Hand und streiche sie weg. Seine Haut fühlt sich weich an. Ich beuge mich zu ihm vor und hauche einen Kuss auf seine linke Wange.

„Natürlich verzeihe ich dir.“ und das meine ich ernst! Es macht mich zwar traurig was er getan hat, aber was soll ich denn tun außer ihm zu verzeihen? Er bereut es ja, wie man sieht.

Mit einem kleinen Lächeln lehne ich mich wieder zurück auf mein Kissen. Josh sieht total geschockt und ungläubig aus. Das sollte man echt fotografieren! Aber leider vergeht der Ausdruck sehr schnell und dafür stiehlt sich sein typisches Ich-bin-so-verdammt-happy-Grinsen auf sein Gesicht. Irgendwie passt es diesmal zur Situation und es macht mir nichts aus, ihn grinsen zu sehen.

„Hm... wo war ich denn jetzt eigentlich?“ er denkt ein paar Momente nach und erzählt dann weiter: „Also ähm ich habe ja die ganze Woche nichts gehört und wollte dich halt sehen. Ich bin gestern Abend fast verrückt geworden, weil ich dich so vermisst habe.“ wieder wird er rot, diesmal jedoch stärker. Er könnte einer Tomate Konkurrenz machen. „Na ja und irgendwann habe ich es einfach nicht mehr ausgehalten und bin zu dir gelaufen. Aber deine Eltern waren ja nicht da und es ist niemand zur Tür gekommen. Ich habe bestimmt eine viertel Stunde lang geklingelt.“, erklärt er mir mit überzeugter Miene. Alles klar, wer´ s glaubt.

„Woher wusstest du, dass ich nicht auch weg bin?“

„Weil du nie weggehst.“, er grinst mich frech an.

Okay, wo er Recht hat, hat er Recht. Das ist leider die traurige Wahrheit.

„Aber sag mal, Da, wieso hast du nicht die Polizei gerufen. Macht man doch, wenn man einen Einbrecher im Haus hat.“ Fragend schaut er mich an.

Gute Frage... ich habe eigentlich gar nicht daran gedacht, die Polizei zu rufen. Irgendwie ist mir das echt nicht eingefallen, obwohl es doch einem andauernd eingeprägt wird.

„Keine Ahnung.“

„War wahrscheinlich auch besser so.“ er grinst wieder.

Josh legt seinen Kopf wieder auf meine Schulter und ich bin mal so frei und kraule ihn im Nacken. Scheint ihm ja zu gefallen. Immerhin schnurrt er wie ein Kätzchen.

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