fly away & find happiness
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Home you old JoSh

XX Julien

Es ist Montag. Ein gottverdammter scheiß Montag. Welcher Vollidiot hat eigentlich Montage erfunden? Warst du das etwa, Gott?

Mondays sucks

Meine Laune ist heute Morgen wirklich im Keller. Wahrscheinlich sogar noch tiefer als im Keller. Möglich, dass sie gleich auf der anderen Seite der Erde, irgendwo in China rauskommt.

Es ist also wieder einmal Montag. Ich bin auf dem Weg zur Schule. Die Sonne brennt von einem strahlend blauen Himmel auf mich herunter. Wütend recke ich die Faust gegen die Sonne: „Ich hasse dich, du scheiß Welt!“

Eine ältere Frau mit mehr Falten als glatter Haut dreht sich zu mir um und guckt mich mit hochgezogenen Augen an: „Haben se was jesacht, junger Mann?“

„Nee, Sie haben sich bestimmt verhört.“

Ich gehe lieber etwas schneller, um von dieser doofen Oma fort zu kommen. So eine hat mir heute gerade noch gefehlt. Meine Laune dürfte mittlerweile zweimal durch die Erde durch sein.

Und jetzt auch noch sechs Stunden Schule. Wieso bin ich eigentlich aufgestanden? Ach ja, ein lieber Junge mit nervendem Grinsen will mich heute in der Schule sehen. Ich kann es nicht ändern, aber bei dem Gedanken an Josh hebt sich meine Stimmung um wenige Millimeter der Erdoberfläche entgegen.

Als ich in meinem Klassenzimmer ankomme sind natürlich schon fast alle da. Wie immer. Ich stehe so spät auf, dass ich es gerade pünktlich schaffe – okay, meistens komme ich zu spät. Wieso sollte ich auch extra früher aufstehen? Nur um mich dann hier noch zu langweilen? Nein, danke.

Josh ist auch schon da, mein Herz macht unweigerlich einen Satz, als ich ihn sehe und er mir eins von seinen nervenden Grinsen schenkt. Wie kann man an so einem schrecklich nervenden Tag so glücklich grinsen?

Die Stunden gehen heute natürlich langsam und schleppend voran. War ja mal wieder klar. Gerade wenn ich mal keinen Bock auf Schule hab – gut, ich habe eigentlich nie Bock drauf - , dauernd die Stunden extra lang. In Mathe hole ich dann auch noch meinen Schönheitsschlaf nach, was leider nicht unbeobachtet bleibt. Der liebe Herr Krauz schickt mich prompt vor die Tür. Na ja, da kann man ja auch weiterschlafen. Wenn es nicht so kalt wäre. Draußen sind wahrscheinlich so etwa 35 ° Celsius, aber dank einer guten Isolierung und hochmodernen Klimaanlagen bleibt es auf den Gängen das ganze Jahr über konstant 12, 5 ° Celsius. Zu kalt, wenn ihr mich fragt. Ich frage mich sowieso, was der scheiß soll. Sollen wir hier im Sommer erfrieren? Wahrscheinlich denkt unsere Schulleitung, dass wir, wenn es so kalt auf den Gängen ist, keinen Scheiß mehr im Unterricht anstellen, um nicht Gefahr zu laufen rauszufliegen und die restliche Stunden auf dem Gang zu verbringen. Die Unterrichtsstörungen würden wegen so etwas doch nie zurückgehen. Unsere Chaoten kommen, wenn sie etwas Großes geplant haben, schon extra mit dicken Jacken, um dann hier nicht zu erfrieren. So wie ich gleich. Zum Glück klingelt es jeden Augenblick und ich kann wieder auf meinen Platz, damit ich dort auftauen kann. Ich fühl mich hier langsam wie in einer Gefriertruhe. Wenigstens für etwas muss diese verdammte Sonne gut sein.

Zum Glück haben wir nach Mathe nur noch Geschichte. Zwar schön langweilig, aber was soll´ s. Da kann ich wenigstens in Ruhe auftauen.

Nachdem es zum letzten Mal für diesen Tag geklingelt hat taucht Josh an meinem Tisch auf. Er hat sich so leise angeschlichen, dass man meinen könnte, er wäre direkt aus dem Boden geschossen. Wie ein Pilz. Nein, ich meine nicht das Bier sondern das Gemüse.

„Kommst du mit in den Park? Wir können ja da Hausis machen.“

Ich überlege kurz. Wieso eigentlich nicht? Nach Hause will ich nicht wirklich. Meine Schwester hat heute mal keine Schule gehabt – wegen Abi ist viel ausgefallen – und hat deshalb ein paar Freunde zu Besuch. Wahrscheinlich kann man sich vor lauter Hoppermusik im ganzen Haus nicht mehr unterhalten. Das kann ich heute wirklich nicht gebrauchen. Da klingt Park schon viel ruhiger. Auch wenn ich da wahrscheinlich innerhalb von 5 Minuten gar bin.

Ich nicke, worauf Josh von einem Ohr zum anderen grinst. Er packt meine Hand und rennt mit mir aus dem Klassenzimmer. Ich habe nicht einmal richtig Zeit meinen Rucksack auf zu setzten und stolpere, trampelig wie ich bin, hinter ihm her.  

Der Park ist ziemlich voll. Überall liegen Leute auf Decken herum, sonnen sich, lesen oder machen einfach ein Picknick. Vorwiegend sind es Studenten oder eben Schüler, die diese verdammte Hitze genießen. Versteh einer die Welt.

Josh zerrt mich immer noch am Handgelenk hinter sich her. Wir haben schon einige seltsame Blicke abbekommen, aber keiner hat sich die Mühe gemacht Josh darauf anzusprechen, wieso er so einen Freak wie mich hinter sich herzieht. Wieso auch? Geht sie ja nichts an, außerdem hätte Josh nur wieder irgendeinen Scheiß gelabert. Was kann meistens ja auch gar nicht anders. Trotzdem ist ein verdammt lieber und süßer Scheiß. Oh je jetzt wird es gleich kitschig. Da, hör auf! Denk an irgendwas anderes! Du willst doch nicht so enden wie diese gestörten Leute aus den Fernsehserien, die immer nachmittags kommen! Die sind ja noch gestörter als du und hoffnungslos verloren. Bei denen kommt doch wirklich jede Rettung zu spät. Also denk an äh denk an die scheiß Sonne! Genau an diese verdammte Sonne, die gerade dabei ist deinen Nacken zu versengen und dank der du wahrscheinlich in der nächsten halben Stunde an einem Hitzschlag stirbst.

Wir verlassen den Schotterweg und Josh lässt auch endlich meine Hand los. Mitten auf der Wiese bleibt er stehen und lässt sich einfach ins Gras plumpsen. Etwas langsamer setzte ich mich neben ihn. Josh sieht mich etwas kritisch an. Was hat er denn?

„Was ist?“, frage ich nach etwa 2 Minuten, in denen er mich immer noch so angeschaut hat.

„Du solltest bei dem Wetter einen Hut tragen.“

„Hä? Wieso denn?“

„Wart mal hier, ja?“, mit einem Grinsen steht er auf und rennt weg. Seinen Rucksack lässt er bei mir, schon mal ein Zeichen, dass er auf alle Fälle wiederkommt.

Aber wieso sollte ich einen Hut tragen? Glaubt er etwa wirklich, dass ich dann keinen Hitzschlag kriege? Das ist doch Schwachsinn. Es liegt ja nicht nur daran, dass mir die Sonne auf den Kopf brennt, sondern dass ich ausschließlich schwarz trage. Vielleicht sollte ich wenigstens im Sommer etwas heller rumlaufen, zumindest wenn ich draußen bin. Im Haus kann ich ja weiterhin schwarz tragen, da ist es doch eh egal, was ich anhabe. Meine Eltern würden sich auch nicht weiter aufregen wenn ich nackt rumlaufen würde. Hauptsache ich renne so nicht in aller Öffentlichkeit rum. Muss ja auch nicht wirklich sein.

Plötzlich spüre ich starke Hände auf meinen Schultern die mich ein wenig nach hinten ziehen. Wer zum Henker ist das denn?! Ich versuche den Kopf zur Seite zu drehen, um zu erkennen wer das ist, aber ich stoppe als ich weiche Lippen in meinem Nacken spüre. Josh... Er küsst weiter meinen Hals, überall fühle ich seine weichen Lippen auf meiner Haut. Es fühlt sich so schön an. Die Schmetterlinge in meinem Bauch fangen wieder an Purzelbäume zu schlagen. Langsam entspanne ich mich unter seinen Küssen, schließe die Augen und lasse mich gegen ihn sinken. Seine starken Arme umschlingen meinen schmächtigen Oberkörper und zerdrücken mich fast. Er haucht mir noch einen Kuss auf die Schläfe und lässt dann von mir ab. Einen Arm um meine Taille gelegt, setzt er sich neben mich zieht etwas hinter seinem Rücken hervor. Es ist ein riesiger weißer Strohhut mit kleinen weißen Punkten drauf. Sieht irgendwie lustig aus das Teil, trotzdem total krank.

Ich schaue Josh mit hochgezogenen Augenbrauen an, worauf er nur lacht und mir dann den Hut auf den Kopf setzt.

„Du kriegst sonst wirklich noch einen Hitzeschlag.“

„Aber, das Ding ist doch total doof.“

„Tzzz, Da, das Teil steht dir doch ausgezeichnet.“

Das bezweifele ich wirklich stark. Der Hut ist wirklich was für Mädchen, aber doch nicht für mich. Damit sehe ich doch total lächerlich aus. Okay, es ist mir eigentlich egal wie ich aussehe, aber trotzdem... das Teil gefällt mir nicht.

„Ach, komm, stell dich nicht so an. Du musst das Teil doch nur tragen, solange wir in der Sonne sitzen.“ Er schenkt mir sein liebstes Lächeln.

Tja, dann setzten wir uns eben in den Schatten. Leider kann ich ihm im Moment nicht böse sein... nicht wenn er mich so süß anlächelt.

Hinter uns ertönt auf einmal eine Jungestimme: „Hey, Josh!“

Wir drehen synchron unsere Köpfe in Richtung des Rufers... ich glaube ich spinne! Das ist dieser Arsch, mit dem Josh ... äh ihr wisst schon wen ich meine. Diesen Blonden, dem ich am liebsten sofort an die Gurgel springen würde. Josh freut sich anscheinend über das Auftauchen dieses Typens. Was daran toll sein soll versteh ich nicht. Er ist der Kerl mit dem Josh rumgemacht hat und wer garantiert mir, dass das nicht noch einmal passiert? Genau niemand, nur wenn er tot ist kann das nicht passieren. Also, ran ans fröhliche Töten.

Dieser Typ kommt langsam auf uns zu. Josh und er grinsen sich zu.

„Da, das ist mein Kumpel Julien. Julien, das ist Da.“

Aha, er ist also sein Kumpel und ich bin nichts... so ist das also. Soviel zum Thema beste Freunde.

Julien lächelt mich mit einem die-Welt-ist-wundervoll-und-ich-bin-der-geilste-Typ-hier-Lächeln an. Das verstärkt meinen Hass auf ihn noch mehr.

Er und mein ach so toller bester Freund quatschen irgendeinen belanglosen Scheiß. Ich kriege gar nicht richtig mit, um was es überhaupt geht. Ich versuche die ganze Zeit über nicht vor Wut auf diesen Julien loszugehen. Wie kann er es wagen hier aufzukreuzen?! Wie kann er es wagen, einfach normal mit MEINEM Freund befreundet zu sein?! Glaubt er etwa, dass ich vergessen habe, was er getan hat? Dass ich damals blind war? Was denkt dieser Wichser!?!

Und Josh? Ja, mein toller bester Freund schert sich nicht die Bohne, dass ich innerlich koche. Glaubt er etwa, dass dieser Typ mich total kalt lässt? Auf einmal bin ich wie Luft für ihn ... meine Wut ist auf einmal verraucht, dafür habe ich das Gefühl gleich in Tränen auszubrechen. Lange halte ich es hier nicht mehr aus.

Die beiden Jungs lachen lauthals über etwas. Ich habe keine Ahnung über was. Es interessiert mich auch gar nicht. Ich will hier nur noch weg...

Ein letztes Mal reiße ich mich zusammen, stehe auf, schnappe meinen Rucksack und gehe los. Ich gehe so schnell, dass man schon fast sagen könnte, ich renne. Ich drehe mich nicht um.

Nach ein paar Metern, kann ich hören wie Josh meinen vollen Namen brüllt, aber ich bleibe nicht stehen. Er macht sich auch nicht die Mühe mir zu folgen. Wieso auch? Er hat doch immer noch diesen Julien...

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