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Home you old JoSh

XXIII Wand?!

„Da…“ Mhm? … was ist? „Daaa…“ Hm? … ich will nicht. Ich will weiterschlafen. „Da~a…“ Etwas kitzelt mich an der Nase. Ach man, muss das denn sein? Es war gerade so schön. Ich habe geträumt von etwas… Blondem?!?! Ähm, nun ja kann mal passieren. Es war trotzdem schön und ich will verdammt noch mal weiterpennen! Verflucht sei der, der mich da gerade wecken will! Dieses etwas kitzelt mich weiter. Ich drehe mich zur Seite. Vielleicht entkomme ich ja so diesem grausamen „Etwas“. Da ist irgendetwas Weichen, vielleicht ja ein Kissen? Danke lieber Gott, dass du mir endlich mal zur richtigen Zeit ein Kissen schenkst! Ich ziehe das Kissen leicht an mich und vergrabe meinen Kopf darin. Irgendwie ist dieses Kissen nicht sonderlich weich… ach scheiß drauf, Hauptsache ein Kissen und ich kann weiterschlafen. Das „Etwas“ hat auch aufgehört mich an der Nase zu kitzeln. Dafür spüre ich etwas auf meinem Kopf… jemand streichelt mir über die Haare? Ähm…hä?

„Hey, Da, komm wach langsam wieder auf.“, es klingt ziemlich nach Josh. Wahrscheinlich ist er auch mein Kissen. Na toll. Boden tu dich auf, dass ich in dir verschwinden kann.

Ich glaube ich sollte auf diesen Rat hören. Vorsichtig blinzele ich mit den Augen. Es ist fast stockdunkel… irgendwo kommt ein wenig Licht her, sieht aus wie von einem Feuer. Ach ja, die hatten ja ein Lagerfeuer gemacht. Ich sehe Camouflagestoff vor mir. Josh war also wirklich mein Kissen. Oh man, ist das peinlich. Ich will im Erdboden versinken.

Seine Finger fangen an mit meinen Haaren zuspielen. Irgendwie fühlt es sich schön an.

„Na? Schon wach?“, fragt er belustigt.

„Mhm…“

Man, ich will gar nicht aufstehen. Seine Finger hören auf mit meinen Haaren zu streicheln und stattdessen spüre ich arschkalte Finger in meinem Nacken. Ahhhhhhhhh! Weg mit den Händen!!!

Ich packe entsetzt seine Hand und ziehe sie von meinem Nacken weg.

„Wolltest du mich einfrieren?“, frage ich sauer, als ich mich aufsetzte.

Josh schaut etwas traurig und murmelt: „Tut mir leid, ich wusste nicht, dass ich so kalte Finger habe… ich dachte, dir na ja du weißt schon gefällt es.“ Zerknirscht guckt er das Gras an. Oder zumindest glaube ich, dass es Gras ist. Es ist schon total dunkel und das wenige Licht, das vom Lagerfeuer zu uns herüber scheint, reicht nicht gerade aus um groß etwas zu erkennen.

Irgendwie tut es mir schon fast wieder leid, dass ich ihn so derbe angemotzt habe. Ich meine, woher soll er auch wissen, dass er eiskalte Finger hat? Gut, so was kann man ahnen, aber wir reden hier ja von Joshua, der ahnt so was nicht. Dank seinen tollen Fingern bin ich jetzt wenigstens richtig wach. Okay, richtig trifft es nicht ganz. Ich bin NIE  richtig wach!

Ich schaue mich um. Da warn doch noch so zwei Jungs, die bei uns waren, aber irgendwie ist hier niemand. Nur beim Lagerfeuer sitzen noch ein paar Leute.

„Wo sind den Julien und Lunas?“

„Lunas wollte neue Kippen kaufen und Julien ist als moralische Unterstützung mitgegangen.“

„Aja.“

„Jo…“, Josh legt sich zurück ins Gras. Ich bleibe sitzen.

Keiner von uns sagt ein Wort, aber es ist kein unangenehmes Schweigen. Ich genieße diese ungewohnte Stille zwischen uns – dank Josh ist es ja nicht gerade oft still – und schaue hoch in den Himmel. Der Himmel sieht richtig geil aus! So viele Sterne auf einem Haufen habe ich wirklich noch nie gesehen! Es ist total klar und ich kann mindestens eine Millionen Sterne sehen. Irgendwie schön. Ich bin kein Astronomiefreak, aber trotzdem liebe ich Sterne. Immer wenn ich sie ansehe, bekomme ich so eine Sehnsucht. Nach was weiß ich nicht. Vielleicht nach einer Reise zu anderen Probleme. Okay, Da, Schluss damit! Wir sind hier nicht in einem Science- Fiction- Film! Ich rede heute echt nur Stuss. Liegt wohl an der Anwesenheit eines bestimmten Herrn.

Ähm okay, irgendwas krabbelt da auf meinem T-Shirt rum. Was ist daaaaaas? Wenn das so eine riesige fette Spinne ist, was mache ich denn dann? Ich luge vorsichtig über meine Schulter und erkenne zum Glück, dass es nur Josh ist, der mit geschlossenen Augen mit seinen Fingern leicht auf meinem Rücken herumtrommelt. Was das bringen soll, wissen auch nur er und der liebe Gott. Man, bin ich müde. Ich muss gähnen und dabei knackt es etwas unangenehm in meinem Kiefer. Toll, ich liebe dieses Gefühl von leicht ausgerenktem Kiefer.

Josh zieht leicht an meinem T-Shirt. „Kommst du her?“, murmelt da etwas leise hinter mir. Wenn er wüsste wie liebend gerne ich seiner Bitte nachkomme. Ich glaube, er würde vor lauter Freude einen Herzinfarkt kriegen.

Vorsichtlich lasse ich mich nach hinten sinken. Nicht, dass ich seine Hand noch aus Versehen zerquetsche. So tollpatschig wie ich bin, könnte ich das sicher auch noch hinbekommen.

Wir liegen beide nebeneinander. Ich kann seinen warmen Körper neben mir spüren. Von mir aus könnte die Zeit so stehen bleiben.

„Mhm~m.“, kommt es von Josh. Okay, mhm was sollte das jetzt? Na ja scheiß drauf. Einfach ignorieren. Ich bin jetzt viel zu faul, irgendetwas darauf zu erwidern oder auch nur darüber nachzudenken.

Ich fühle wie sich eine immer noch eiskalte Hand in meine schiebt. Und es ist mir verdammt scheiß egal, dass die Hand eiskalt ist. Sie ist wunderschön und ich liebe es sie zu halten! Ja verdammt noch mal, ich liebe es die Hand eines Jungen zu halten! Und ja verdammt noch mal ich bin im Moment so glücklich, dass ich die ganze Welt umarmen könnte! Und das nur, weil jemand meine Hand hält bin ich denn noch zu retten? Ich glaube nicht, aber das ist mir eigentlich relativ egal. Dann bin ich eben nicht mehr zu retten. Solange ich seine Hand halten kann ist alles gut. Er drückt sie fest. Okay, wenn er stärker drückt, bricht er mir noch alle Finger, aber er tut es nicht. Offenbar hat er gelernt seine Kräfte zu kontrollieren. Gut so, wir wollen ja nicht, dass ich ewig und drei Tage mit einem Gips herumrenne? Sagt jetzt nichts falsches, ich habe eine Kettensäge zu Hause. Oder zumindest: mein Vater hat eine, aber ich weiß wo sie liegt – in der Garage, linkes Regal, ganz oben, neben einem Stapel Eimer. Ich bin gut, ne?

„Du, Da?“

„Hm, was denn?“

„Magst du mich?“

„Was soll denn die Frage?“, und sofort tun mir die Worte leid.

„Sorry, ist nicht wichtig. Vergiss es einfach…“

Oh man, klasse… jetzt hab ich es versaut. Wir schweigen wieder, aber anders als vorhin ist es kein schönes Schweigen. Eher so ein Oh-Gott-ich-will-hier-weg-Schweigen oder ein Jetzt-sag-doch-endlich-was-Schweigen. Ich bin so ein gottverdammter Idiot!

Ich weiß nicht wie lange wir schweigen, aber es kommt mir sehr, sehr lange vor.

„Ich mag dich.“

So jetzt habe ich es ausgesprochen. Toll und er sagt darauf nichts. Ob er eingeschlafen ist? Wahrscheinlich, so langweilig wie ich bin, wäre das ja wirklich kein Wunder. Oh man… wieso kann ich mich eigentlich nicht durchringen diese drei Worte auszusprechen? Ich meine nicht die drei Worte „Ich mag dich.“, das schafft ja jedes Kind. Ich rede von diesem Liebesdingens. Wieso kann ich das nicht? So schwer ist das doch gar nicht oder? Es sind doch nur drei kleine Worte, da ist doch nichts dabei. Oder doch? Klar, sie haben eine riesige Bedeutung, aber trotzdem sind es nur Worte. Verdammt noch mal! Ich bin so ein verfluchter Angsthase! Dabei ist da doch nichts, wovor ich Angst haben muss. Doch eigentlich schon… wenn ich es ausspreche ist es besiegelt, dann ist es ausgesprochen, dass ich auf einen Jungen stehe und es gibt mindestens eine Person – nämlich Josh – die weiß, dass ich schwul bin und somit etwas gegen mich in der Hand hat. Klar ich weiß, dass er so etwas nie gegen mich verwenden würde, so was verbietet ihm seine Ehre und sein Stolz, aber trotzdem habe ich Angst davor, dass jemand etwas hat, was er gegen mich verwenden kann und bei dem ich weiß, dass ich alles tun würde, um es geheim zu halten. Ich weiß, wie bescheuert das klingen muss. Solange ich es für mich behalten kann, ist alles okay, da muss ich vor niemandem Angst haben. Aber ich glaube es liegt nicht nur an der Angst, dass ich es nicht aussprechen kann. Dieses kleine unscheinbare Wort „Liebe“… Ich weigere mich eh immer es richtig laut auszusprechen, ich weiß gar nicht richtig wieso. Vielleicht liegt es daran, dass man mir so sehr wehgetan hat und dass die Liebe meistens eh nur verletzend ist, zumindest mich verletzt sie so oft immer. Wenn ich diese drei Worte sage, dann muss ich auch „Liebe“ sagen und irgendwie sträubt sich in mir alles dagegen, das zu tun. Kann mir mal jemand richtig sagen wieso? Ich kapiere es nämlich überhaupt nicht! Mein Gott, ich bin einfach zu kompliziert und dabei heißt es doch immer, dass Männer so unkompliziert sind. Wahrscheinlich bin ich wirklich eine Frau, das würde dann auch erklären warum ich auf Josh stehe und mich schminke. Ich muss unwillkürlich grinsen. Oh man, habe ich einen Knall.

„Liebst du mich?“, fragt da jemand im Dunkeln ganz leise, so dass es wirklich nur ich hören kann.

Ich glaube, er weiß, was in mir vorgeht kann das sein? Und was soll ich jetzt machen? Soll ich „ja“ oder „nein“ sagen? Wenn ich es verneine, verliere ich ihn bestimmt und verletzte ihn. Das will ich verdammt noch mal nicht! Aber wenn ich „ja“ sage, was ist dann? Ähm eigentlich doch nichts oder? Ich meine, es würde alles so bleiben wie es ist? Er würde weiterhin bei mir liegen bleiben und mich auch weiterhin sehen wollen, das ist doch richtig oder? Gut, er würde sich wahrscheinlich total freuen, das hoffe ich zumindest. Soll ich es ihm sagen? Ich liebe ihn ja auch wirklich, also kann ich es ihm doch auch ruhig sagen oder? Aber was wenn das mit uns nicht klappt und wir uns streiten und er dann überall herumerzählt ich wäre schwul. Okay, das Gleiche kann ich dann auch erzählen. Ob mir aber jemand glaubt, ist eine andere Sache. Ach scheiß drauf, ich will einmal im Leben so richtig die Wahrheit sagen…

„Ja.“

Josh drückt meine Hand so fest, dass er mir wirklich noch bald die Finger bricht. Die läuft wahrscheinlich auch gerade blau an. Und ich hatte gehofft, er hätte endlich gelernt seine Kraft zu kontrollieren! Allerdings freuen sich meine Schmetterlinge durch diesen Händedruck total. Ich glaube, ich kotze gleich ein paar Schmetterlinge aus.

„Ich dich auch.“

Um wie viel wollen wir wetten, dass er gerade breiter als jemals zuvor grinst? Ich würde jetzt gerne sein Grinsen sehen. Nur leider ist es zu dunkel. Okay, klar ich kann es mir nur zu deutlich vorstellen, aber trotzdem würde ich es doch so gerne sehen.

„Hey, wir sind wieder da~a!“, das ist Juliens Stimme. Ach man, kann der nicht noch ein bisschen wegbleiben? Ich habe ehrlich gesagt jetzt null Bock mit denen über irgendeinen Schrott zu labern oder eher gesagt mir deren Schrott anzuhören, da ich eh nicht vorhabe irgendetwas zu sagen. Mit meinem breiten Grinsen geht Reden gerade auch etwas schlecht.

Josh richtet sich natürlich sofort auf und bequatscht die beiden Jungs, die uns gegenüber sitzen. Als ob Zigarettenholen besonders interessant wäre, als das man unbedingt alles darüber erfahren muss. Na ja, wenn sie meinen… ich halte mich einfach raus.

Ich betrachte lieber den Sternenhimmel und grinse still in mich hinein.

 

Irgendwann muss ich eingeschlafen sein, denn als ich wieder die Augen aufmache ist alles dunkel. Nicht einmal vom Lagerfeuer scheint noch etwas Licht herüber. Man sieht die Hand vor Augen nicht! Verdammt noch mal, hat denn keiner Licht! Vor mir raschelt etwas und irgendetwas berührt mich an der Schulter. Es ist eine Hand, nur von wem weiß ich nicht.

„Hey, Da, wir wollen gehen. Kommst du?“

Es ist Josh. Gut, ich hatte schon Angst, dass es irgendjemand ist, den ich nicht kenne.

„Mhm, klar. Wo sind die anderen?“

„Die stehen da drüben an dem Baum.“

„Wieso habt ihr eigentlich, zum Henker noch mal, kein Licht?!“

„Ähm na ja es hat keiner daran gedacht und bis eben hatten wir ja noch Lunas´ Feuerzeug, aber das ist gerade verreckt.“ Er nimmt meinen Arm und zieht mich vorsichtig hoch.

Als ich stehe wird mir auf einmal total schwindelig und ich schwanke sogar! Liegt wahrscheinlich daran, dass ich die ganze Zeit nur faul herum lag und jetzt so ruckartig aufgestanden bin. Verdammter Scheiß! Ich schwanke sogar! Zum Glück steht Josh neben mir und hält meinen Arm, als ich leicht schwanke. Sonst wäre ich bestimmt umgekippt.

„Alles okay?“, fragt er leise.

Ich nicke. Ach verdammt, er kann es ja gar nicht sehen. „Geht schon wieder.“

Er hält mich trotzdem weiterhin am Unterarm fest und zieht mich in eine Richtung, in der vermutlich der Baum steht, bei dem Lunas und Julien auf uns warten. Hoffe ich zumindest. Ehrlich gesagt, ich sehe absolut nichts! Woher Josh weiß wo wir hingehen müssen, ist mir wirklich schleierhaft.

BAM! Okay, das war der Baum!

„Verdammte Scheiße!!!“ Ich bin natürlich mit voller Wucht gegen ihn gelaufen. Irgendwie war doch klar, dass das passiert! Man mein armes Gesicht! Alles brennt und jedes Mal wenn ich auch nur leicht mein Gesicht bewege würde ich am liebsten laut aufschreien! Und ich habe diesen widerlichen Rindegeschmack im Mund. Das ist einfach nur widerlich.

„Oh Gott, Da, hast du dir sehr wehgetan?“

Josh zieht mich von dem verfluchten Baum weg und berührt vorsichtig mein Gesicht. Scheiße, tut dass weh!

„Aua, verdammt, nicht Anfassen!“

„Tschuldigung.“ Er lässt mein Gesicht sofort in Ruhe und hält dafür meine beiden Hände.

Ich höre Lunas neben mir fragen: „Können wir weiter gehen?“

„Ja, denke schon…“ Jos lässt eine Hand los und wir gehen Hand in Hand weiter. Wohin weiß ich nicht. Ehrlich gesagt ist mir das auch im Moment scheiß egal… mein Gesicht!!! Mir kommen fast die Tränen. Oh man, hoffentlich gibt das keine blauen Flecken oder irgendetwas anderes.

Irgendwann spüre ich Stein unter meinen Schuhen. Wahrscheinlich sind wir jetzt wieder auf dem Parkweg. Wie die den gefunden haben ist mir echt ein Rätsel! Ich wäre hier wahrscheinlich bis zum nächsten Morgen herumgeirrt.

Wir schweigen den ganzen Weg über bis zum Parkausgang. Da ist auch endlich eine Straßenlaterne! Licht! Helligkeit! Ich kann endlich wieder etwas sehen!

„Wart hier mal.“, Josh bleibt unter der Laterne stehen und zieht mich näher zu sich. Auch die beiden anderen bleiben stehen.

Ich schaue Josh fragend an. Was ist denn jetzt schon wieder los? Der schaut mir aber nicht in die Augen sonder unterzieht meinem Gesicht einer genauen Überprüfung und sammelt mir dann ein paar Rindenstücke aus den Haaren.

„Deine Wangen sind etwas aufgeschürft.“

Er sieht mich mit seinen strahlend blauen Augen an. Ich fühle wie seine Hand über meine immer noch leicht schmerzende Wange streichelt. Das fühlt sich so verdammt gut an.

„Josh, wir gehen dann mal. Machs gut. Du auch, Da.“, meint Julien irgendwo hinter mir.

Ohne seinen Blick von meinen Augen zu lassen sagt er zu den beiden Jungs: „Ist gut. Wir sehen uns dann.“

Ich höre Schritte hinter mir und irgendwann ist alles still, bis auf das leise Summen der Laterne und das der Insekten, die dann immer wieder gegen die Lampe knallen. Er schaut mir noch immer in die Augen… ich wünschte, die Zeit würde nie vergehen und wir könnten ewig so stehen bleiben. Nur leider geht das nicht.

Ein Auto fährt an uns vorbei und dieser irgendwie magische Moment vergeht. Ach männo… Josh lächelt mich mit seinem so süßen Lächeln an und meint: „Wollen wir gehen?“

Ich nicke nur. Was soll ich auch sonst machen? Widersprechen kommt doch ein bisschen blöd, obwohl ich doch noch so gerne stehen geblieben wäre und die Berührung seiner Hand genossen hätte. Es war so schön. Meine Schmetterlinge spielen immer noch verrückt.

Er nimmt wieder meine Hand und wir gehen ein Stück, bis zu einer Ampel, an der wir uns trennen müssen. Verdammt, warum müssen wir nur in zwei verschiedenen Stadtteilen wohnen?!

Vor der Ampel bleiben wir an einer Hauswand stehen. Wie soll ich mich eigentlich von ihm verabschieden? Ich meine, erwartet er jetzt irgendetwas Bestimmtes von mir? Soll ich ihn küssen oder einfach nur „cu“ sagen und gehen?  Verdammt, wie macht man so was? Und Josh ist ja auch nicht gerade eine große Hilfe. Er steht einfach da und starrt mich an. Ich kann sein Gesicht nur schlecht erkennen, weil ich mit dem Rücken zur Wand stehe und er direkt vor mir steht. Also verdeckt er schön das Licht, ganz toll. Er lässt meine Hand los und legt dafür beide um meine Taille. Okay, was gibt das? Plötzlich beugt er sich vor und küsst mich. Die Schmetterlinge in meinem Magen spielen jetzt vollends verrückt. Sein Kuss ist ein bisschen anders als sonst. Irgendwie heftiger und härter. Mit seinen starken Armen zieht er mich mühelos näher an mich. Irgendwann löst er seinen Mund wieder vor mir. Was will er nur? Ich bezweifele doch, dass es bei diesem einem Kuss bleiben wird… das sagt mir irgendwie mein Bauchgefühl. Will ich denn überhaupt, dass es mehr wird? Irgendwie fühl ich mich nicht so gut dabei. Ich ahne etwas Schlimmes.

Josh küsst mich noch einmal. Nur diesmal spüre ich wie seine Zunge gegen meine Lippen stößt und sich ohne große Mühe Einlass verschafft. Er umkost meine Zunge nicht gerade liebevoll und … er schmeckt nach Bier, nach sehr viel Bier. Verdammt wieso ist mir das nicht schon früher aufgefallen?! Ich versuche mich zu entwinden und trete ein paar kleine Schritte nach hinten, aber er hört nicht auf mich immer wilder zu küssen. Ich spüre etwas Hartes in meinem Rücken und es sind nicht seine Hände.

SCHEIßE, DIE WAND!!! Ich kann hier nicht entkommen, verdammt! Was soll ich denn jetzt machen? Ein LkW fährt vorbei und Josh löst für einen Moment den Kuss. Das reicht mir um ihn hart zurück zu stoßen. Ich weiß, ich bin viel schwächer als er, aber das Überraschungsmoment hilft mir. Das Bier in seinem Körper auch, wenigstens etwas wofür es gut ist. Leider taumelt er nur etwa einen Schritt zurück und fängt sich schnell wieder. Scheiße, dass ich sein Gesicht nicht erkennen kann… hoffentlich ist er nicht so betrunken, dass er auf dumme Gedanken kommt. Wie zum Beispiel mich zu schlagen oder mich zu vergewaltigen.

Er steht einfach nur da und starrt auf mich runter. Ich bewege mich wohl lieber einfach gar nicht, vielleicht lässt er mich ja dann. Wegrennen bringt mir eh nichts, er ist doch viermal so schnell wie ich.

Irgendwann höre ich seine brüchige, etwas belegte Stimme: „Es… es tut mir leid, Da. Ich weiß nicht wieso ich das getan habe… es tut mir leid…“ Er fährt sich mit der Hand übers Gesicht und tritt noch einen Schritt zurück. Ich lehne noch immer gegen die Wand.

Ich atme erleichtert aus. Es ist also vorbei. „Ich sollte jetzt besser gehen.“, das ist das einzige was mir jetzt gerade Schlaues einfällt. Aber kann ich ihn so einfach hier alleine lassen? Er ist doch total verstört und alles… vielleicht sollte ich mich einfach etwas gefühlvoller als normal von ihm verabschieden. Vielleicht hilft es ihm ja und wenn nicht, so habe ich es wenigstens versucht.

Ich trete auf ihn zu und drücke ihn an mich. Er reagiert gar nicht. Erst als ich ihn leicht auf die Wange küsse, drückt er mich an sich und legt seinen Kopf auf meine Schulter. Der arme Junge kriegt bei meiner Größe – Kleine würde noch eher passen – Rückenschmerzen.

„Bis morgen, ja?“, flüstert er mir ins Ohr.

„Ja, bis morgen.“

Ich küsse ihn noch einmal auf die Wange und löse mich dann aus seinen Armen. Er lässt mich nur widerstrebend los. Da kein Auto kommt, renne ich bei rot über die Ampel. (Bitte nicht nachmachen!) Auf der anderen Seite blicke ich noch einmal zurück zu Josh und er winkt zurück. Er wartet bis ich außer Sichtweite bin, bis er geht.

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